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extra Eigentlich Menschlich: Wie gucken die denn Fußball?
Wie Männer Fußball gucken… (eine Frau erzählt)
Während der EM hatten die meisten Männer wohl nichts anderes als Fußball im Kopf. Allgemein kann mal wohl sagen:
Fußball + Bier = Edelgasschale erreicht.
Was bedeutet, dass die Männer die höchste Stufe des Glücks erreicht haben.
Edelgasschale kommt ursprünglich aus der Chemie. Sie bezeichnet den Zustand eines glücklichen Atoms, also eines glücklichen Mannes.
… und in diesem Zustand völligen Glücks wollen sie nicht gestört werden.
Die Ellenbogen auf die Schenkel gestützt, wirkt er total entrückt und ist nicht ansprechbar. Meine Fragen zum Spiel scheint er gar nicht wahrzunehmen. Er darf sich natürlich auch kein einziges Mal vom Spiel abwenden, denn in dieser einen Sekunde passieren selbstverständlich weltbewegende Dinge.
Doch ist Fußball, mal abgesehen von Bier und Zigaretten, nicht irgendwie gesundheitsschädigend? Ich meine, stark gereizte Nerven, plötzliche Appetitlosigkeit und dauerhaftes Zappeln an sämtlichen Körperteilen sind häufige Nebenwirkungen des Fußballguckens. Wenn’s zum Sieg schon fast nicht mehr reicht, ist eine Frau wohl doch gut zur Beruhigung. Aber wehe sie stellt irgendwelche unpassende Fragen. Und unpassend ist eigentlich jede Frage, außer ob er ein neues Bier braucht. Aber dass bitte auch nur im richtigen Moment!
Ja, auch Männer dürfen Gefühle zeigen!
Gelten nicht allgemein Männer, die Gefühle zeigen, als schwach oder sogar schwul? Doch beim Fußball sieht alles ganz anders aus. Man hat eher das Gefühl, dass ihre männliche Stärke nun durch wildes Geschrei, einer Affenbande gleich, zum Ausdruck gebracht wird. Von wegen, Emotionen zeigen bedeutet Schwäche. Die Tränen in ihren Augen nach einer Niederlage zeugen also sowohl von Emotionen und der ewigen Treue zur Mannschaft! Nur durch das Wir-Gefühl und die aufrichtige und wichtige Unterstützung der anderen Männer beim Fußballschauen können sie über schwere Rückschläge in Sachen Ball hinwegkommen. Das Wir-Gefühl zeigt sich im Abbauen der Hemmschwelle, was zwischenmenschliche, oder besser zwischenmännliche Beziehungen angeht. Wären in unserer Beziehung annähernd so viele Emotionen vorhanden, könnte ich mich wirklich glücklich schätzen.
Doch wehe die eigene Mannschaft verliert einmal…
Die größte Schuld hat dann natürlich erst einmal der Schiedsrichter. Er übersieht grundsätzlich die Fouls der gegnerischen Mannschaft und ist wahrscheinlich auch noch parteiisch und bestochen. Aber all diese unfairen Entscheidungen würden gar nicht getroffen werden, könnte der Schiedsrichter die unzähligen Kommentare, Zurufe und Tipps der vor dem Fernseher sitzenden Männer hören.
Und schon oft musste ich mich fragen, ob Männer wohl wirklich glauben, dass der Schiri sie hören kann. Dazu kommt, dass die Spieler einfach schlecht gespielt haben oder der Trainer falsch eingewechselt hat. Doch den Männern waren diese Fehler wohl schon von vorneherein klar. Da bekomme ich dann zum Beispiel solche Sprüche zu hören, wie:
„Mensch, das gibt’s doch nicht, der Ball muss doch rein gehen!“
„Ja was ist das denn heut für ein Kick?“
„Wo gibt’s das denn, wieso tut der jetzt den Kuranyi rein?“
„Das kann man ja nicht mit ankucken!“
„Gib doch endlich mal ab, du Ego!“
„Da gibt’s doch ne gelbe Karte!“
„Freistoß, das war doch ein Freistoß! Wie kann man denn so blind sein???“
Ich glaube solche Sprüche kennt jeder und immer wieder denke ich mir:„Hey Männer, wenn ihr's doch besser könnt, warum macht ihr's dann nicht selber?“ Aber da ist es dann wohl doch mit einem kühlen Bier in der Hand auf dem Sofa gemütlicher.
Ob das Verhalten beim Fußballgucken wirklich menschlich ist bleibt in den Augen der meisten Frauen wohl zu bezweifeln, aber männlich scheint es auf jeden Fall zu sein.
Wie Frauen Fußball gucken… (ein Mann erzählt)
Frauen und Fußball - geht das überhaupt? Nein, für mich sind Frauen und Fußball zwei verschiedene Dinge. Das geht nicht zusammen. Sobald ich mit meinen Freunden Fußball gucken möchte, klinken sich unsere Freundinnen ein. Warum das so ist, kann ich nicht genau beantworten, aber ich vermute stark, dass es mit dem üblichen Emanzipierungsprozess zu tun hat.
Früher war alles besser…
Angefangen hat doch alles mit dem Mitspracherecht der Frauen. Die Fernbedienung war plötzlich nicht mehr in unserem Besitz, sondern im Besitz der Frauen. So müssen sich die meisten Männer damit abfinden, dass Sonntagabends anstatt Fußball Rosamunde Pilcher angeschaut wird. Mittlerweile ist es mir gelungen, ein bis zwei Fußball-Abende im Monat auszuhandeln, doch nicht einmal da habe ich meine Ruhe. Es wird am laufenden Band rumgenörgelt, ob man nicht kurz umschalten könne. Wenn ich nicht umschalte, habe ich erst recht keine Ruhe, weil meine Freundin meint, sie müsse mit mir die Fußballspieler anfeuern. Alles ist aus. Es kann nur noch schlimmer werden. Bier ist nun nicht mehr erlaubt und auch mit der Konzentration ist es dahin. Die berüchtigten Fragen beginnen:
„Welche Farbe sind denn jetzt wir?“
„Warum pfeift der Schiri ab?“
„Weshalb gibt es dafür die gelbe Karte?“
„Wann bekommt man eine rote Karte?“
„Warum hat denn der Torwart eine andere Farbe an als die anderen?“
„Ist das normal, dass die nicht immer alle auf den Ball zurennen?“
„Was heißt denn schon wieder Abseits?“
Denn meine Freundin mischt sich mit ihren ach so umfassenden Fußballkenntnissen ein und diskutiert ständig mit mir über verschiedene Spielzüge.
Wie können sie nur?
Aber gut, lassen wir das. Alles in allem wird ständig dazwischen geredet. Niemals ist es vor dem Fernseher still. Entweder reden die Frauen über die Sixpacks der Spieler oder über die Zuschauer. Das mit den Spielern kann sehr verletzend sein. Nicht dass ich nicht auch gut aussehe, aber an Nationalspieler komme ich eben einfach nicht ran. Bei Frauen gehen immer die Körper der Spieler über alles andere. Wie kann man nur so oberflächlich sein? Immerhin geht es beim Fußball doch um gute Pässe, Teamgeist, die Aufstellung der Mannschaft und natürlich den Torwart. Aber halt, ich schweife ab. Frauen achten ja generell auf andere Dinge als wir Männer. Sie achten auch darauf, was das Publikum macht. Mir ist es schleierhaft, weshalb Frauen nicht auf die wunderbaren Dribbling-Taktiken achten und warum sie stattdessen lieber den Spielern im Fernseher zuwinken.
Die Entscheidung
Was Frauen noch besser gefällt, als mit uns Fußball zu gucken, ist mit ihrem ganzen Mädels-Clan Klamotten zu kaufen. Gut denke ich mir, geht bitte einkaufen. Ich zittere jedes Mal vor einem Fußballspiel, ob die Entscheidung auf die Klamotten fällt oder auf das emanzipierte Fußballschauen mit uns. Fällt die Wahl auf die Klamotten, so breche ich in Jubel aus, informiere alle meine Kumpels und bestelle schon mal die Pizza nach Hause. Fällt die Wahl auf das Fußballgucken, so informiere ich ebenfalls alle meine Kumpels, jedoch nicht aus Freude, sondern um sie vorzuwarnen. Kaum beginnt das Spiel, kommen die ersten Fragen. Das dubioseste an der Art, wie Frauen Fußball schauen, ist wohl, dass sie nie aufpassen. Aber sobald der Ball in die Nähe eines Tores kommt, wird gekreischt, was das Zeug hält. Auch interessiert es die meisten Frauen eher weniger, ob das Tor, das gefallen ist, für unsere Mannschaft ist oder für die andere. Hauptsache ist, dass man kreischen kann.
Dann gucken sie eben gemeinsam…
Doch das alles kann noch übertroffen werden: Wenn Frauen mit ihren Freundinnen zusammen Fußball gucken. Das ist das Schlimmste von allem.
Das Fußballgucken wird begleitet von ständigem Geplapper. Es wird aber natürlich nicht über Fußball geredet, sondern eher über Mode, Schminktipps und ähnliches. Ich bitte euch: Fußball sollte der Hauptgrund des Treffens sein, nicht das Gequatsche mit den Freundinnen. Aber bei den Frauen ist der Fußball wohl eher die Nebensache und nur eine willkommene Hintergrundmusik.
Ob das Verhalten der Frauen menschlich ist, steht wahrlich in den Sternen, aber weiblich ist es allemal.
Zum Schluss
Bei so großen Unterschieden und diesem (un)menschlichem Verhalten beim Fußballgucken ist es nicht verwunderlich, dass laut Statistik während der EM/WM Fußballgucken zum Auslöser Nummer Eins von Ehekrisen wird. Jetzt denkt ihr, das ist alles nur Klischee? Das nächste Fußballspiel kommt bestimmt und alles wird sich bestätigen.
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