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Interview mit dem Clown Ulrich Fey: "Davon lebe ich wochenlang"

Interview mit dem Clown Ulrich Fey: "Davon lebe ich wochenlang"

Ulrich Fey war Redakteur der FAZ und beschloss im Alter von 39 Jahren, Clown zu werden. Derzeit ist er freier Dozent und Journalist und als Clown in Kliniken und Altenheimen tätig. Dort hat er auch mit Demenzkranken zu tun und zieht erstaunliche Parallelen. thema-Autorin Maria Hörl hat mit ihm über seine Erfahrungen gesprochen.

 
 

Herr Fey, was haben Clowns und Demente gemeinsam?

Ulrich Fey: Der Demente ist so, wie er gerade ist und macht genau das, was er will. Genau so ist der Clown auch. Der kleine Unterschied ist, dass der Demente nicht auf seine äußere Wirkung achtet; der Clown schon ein wenig. In dieser Form liebe ich diese dementen Menschen. Manche sind so fein, so dicht an sich dran, so ehrlich und authentisch. Solche Menschen treffe ich sonst fast nie.

Welche Dinge können Sie nur als Clown tun?

Fey: Ich kann dem Oberarzt sagen, dass er eine zu bunte Unterhose anhat, die durch seine weiße Arzthose durchscheint. Privat würde ich das niemals machen, und es würde mich privat auch gar nicht interessieren. Ich mache als Clown Dinge, mit denen die Leute nicht rechnen. Das muss auch nicht unbedingt lustig sein.

Warum nicht?

Fey: Weil es ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass Clown lustig sind. Ein Clown an sich ist nie lustig. Er wirkt nur deshalb lustig, weil er ganz einfache Dinge, wie z.B. die Tür aufmachen sehr konzentriert versucht, aber immer wieder scheitert. Erst dieser Gegensatz produziert die Komik.

Was würden Sie als Clown niemals machen?

Fey: Es gibt für mich moralische-ethische Grenzen. Ich würde niemals Späße auf Kosten eines anderen machen. Wenn einer leidet, aber alle anderen Lachen, finde ich das unmöglich. Es gibt Clowns, die machen das, weil es ein billiger Mechanismus ist, lustig zu sein.

Was können Sie von Kindern lernen?

Fey: Die Authentizität, besonders von meinem jüngsten Sohn. Die älteren haben das schon wieder verloren. Er ist mein clowneskes Vorbild, das ist großartig! Wenn er wütend ist, ist er wütend und wenn er fröhlich ist, ist er fröhlich. Mein Sohn macht absurdeste Dinge. Er hat versucht, seinen Schnuller im Toaster zu rösten, um zu sehen, wie braun der wird. Auf manche Gedankten würde ich nicht kommen, ich bin halt erwachsen. Clown zu sein, ist wie nachgeholte Kindheit. Ich mache dummes Zeugs und kriege auch noch Geld dafür!

Was war Ihre schönste Erfahrung als Clown?

Fey: Mit einer Bewohnerin eines Altenheims verbringe ich oft viel Zeit. Als ich einmal nach etwa einer halben Stunde gehen wollte, sagte sie „Was, jetzt schon?“. „Aber ich komme wieder“, sagte ich. „Sehen Sie, das ist das, was Hoffnung gibt“, entgegnete sie. Davon lebe ich wochenlang. Das ist etwas fürs Herz.

Vielen Dank für das Interview.

 

Dieses Interview wurde mit dem thema-Award im Monat April ausgezeichnet.

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