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Die Stimme des Außenministers
Ein groß gewachsener Mittvierziger sitzt vorne auf seinem Stuhl und putzt seine Fingernägel, während Tissy Bruns über ihre Arbeit beim „Tagesspiel“ philosophiert. Während der Podiumsdiskussion sagt er nicht viel. Aber das, was er sagt, erreicht seine Zuhörer. Seiner Stimme Gehör verleihen sollte Martin Jäger auch können, ist er doch seit 2005 Pressesprecher des Bundesaußenministers Frank-Walter Steinmeier. Die Arbeit im Auswärtigen Amt bezeichnet er selbst als seinen Lebensinhalt. Der Politik kann er sich nicht entziehen und er will es auch nicht.
Über Ulm und Paris nach Berlin
Geboren in Dietingen bei Ulm, machte er sein Abitur am „Hans und Sophie-Scholl-Gymnasium". Danach war er ein Jahr als Berufssoldat bei der Bundeswehr. Hier sei er förmlich verblödet, wie Jäger sagt. Es zog ihn in die Stadt der Liebe: In Paris versuchte er sich als Fotograf und landete später über Umwege bei der „Tagesschau“. Dort gefiel es ihm eigentlich gut, doch nach wenigen Monaten musste er wieder gehen. So bewarb er sich auf gut Glück beim Auswärtigen Amt, wo er schließlich eingestellt wurde.
Karriere beim Auswärtigen Amt
Bevor er Pressesprecher im Auswärtigen Amt wurde, arbeitete er in den Botschaften in Tschechien und Polen. „Das heißt aber nicht, dass ich fließend polnisch und tschechisch sprechen kann. Um im Auswärtigen Amt arbeiten zu können, reicht es Englisch und Französisch zu beherrschen und in den jeweiligen Sprachen arbeiten zu können.“ Allerdings müsse man beachten, dass man beim Auswärtigen Amt alle drei bis vier Jahre seinen Posten wechseln muss. Darauf hat man keinen direkten Einfluss. „Es kann also passieren, dass man mit Frau und Kinder von Deutschland nach Japan oder Mexiko umziehen muss. Darüber muss man sich im Klaren sein, bevor man den Vertrag unterschreibt.“, erklärt Jäger. „Aber ich bereue meine Entscheidung nicht!“
Bombenanschlag
Schade findet Martin Jäger, dass die Medien nicht länger über ein Thema berichten können. Eines von vielen Beispielen seien die Aufstände der Mönche in Birma. Vor einem knappem halben Jahr demonstrierten die Mönche und später auch die Zivilbevölkerung gegen das Militärregime. Heute wüssten die meisten Menschen in Deutschland nichts mehr davon und in den Leitmedien finden sich auch keine Berichte mehr über die jetzige Lage in Birma.
Mitleid hat Martin Jäger dagegen mit den Fernsehreportern, die bei jeder Krise, bei neuen Meldungen von Geiselnahmen und Terroranschlägen, im Regen vor dem Auswärtigen Amt stehen und jede Stunde live vom neuesten Stand der Ereignisse berichten müssen, obwohl sich im Ministerium seit Stunden nichts mehr getan hat.
Gegen Ende des Gespräches klingelt plötzlich das Mobiltelefon von Martin Jäger. Es gab einen Bombenanschlag vor einer Botschaft, bei dem vielleicht auch ein Deutscher verletzt worden ist. „ Das regle ich noch schnell auf dem Heimweg“, sprach Martin Jäger und verschwand. „Ich will schließlich noch mit meiner Familie zu Abend essen.“
Dieser Artikel entstand im Rahmen der Recherchefahrt "Medien, Macht und Politik" des Jugendnetzes Baden-Württemberg und der Jugendpresse Baden-Württemberg
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