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extra weltspiegel: Und Tschüss! Warum Reisen glücklich macht

extra weltspiegel: Und Tschüss! Warum Reisen glücklich macht

Was gibt es Schöneres als den stressigen Alltag zu vergessen und irgendwo am anderen Ende der Welt die Seele baumeln zu lassen. Momente, die jede Menge Glücksgefühle verursachen. Doch warum macht das Reisen in ferne Länder und Kulturen eigentlich so glücklich? Liegt es an einer anderen Umgebung, an der Herausforderung oder an den neuen Leuten? Antworten auf diese Fragen hat Anne Allmenling hier in Deutschland gefunden.

 
 

Eine Woche am Meer

Für Katrin Heinen ist die Sache klar: Wenn sie verreist, dann am liebsten ans Meer. "Je rauher die Landschaft, desto besser", sagt die Heidelbergerin, "weil ich da im wahrsten Sinne des Wortes in meinem Element bin." Raus aus dem Alltag, frei sein, mal etwas ganz anderes machen als Schule und Arbeit, das sind die häufigsten Gründe für eine Reise, und zwar für Jugendliche genauso wie für Erwachsene. "Am Reisen ist vor allem der Unterschied zum Alltag toll, und dass man neue Gegenden kennen lernt", sagt Melina Giannis aus Frankfurt.  Im Gegensatz zu ihrer Freundin Katrin fährt sie am liebsten in Städte, "weil man dort Kultur, Entspannung und Shopping kombinieren kann".

Reisen verursacht Glücksgefühle

Kein Wunder, dass Melina sich von dieser Mischung begeistern lässt. Sie ist nicht die einzige, der es bei dem Gedanken an eine Reise so geht. "Reisen löst bei vielen Menschen ein Glücksgefühl aus, weil man eine Flut neuer Eindrücke erlebt", sagt Joachim Funke, Psychologie-Professor an der Universität Heidelberg. "Man sucht sich Orte mit einer schönen Umgebung, trifft auf Situationen, die in der vertrauten Heimatumgebung nicht gegeben sind. Das Gehirn erlebt eine Herausforderung, wird durch die vielen neuen Reize stimuliert, und die Kreativität wird angeregt." Das hat auch Kirsten Rulf schon erlebt: "Wenn ich auf Reisen bin, habe ich das Gefühl, selbstständig zu sein", sagt die temperamentvolle Kölnerin. "Ich teile mir den Tag ein, wie ich es mir wünsche, keine Schule, keine Verpflichtungen. Dafür muss ich ständig Entscheidungen treffen, muss etwas daraus machen und mich durchschlagen."

Fremdsprachen gehören dazu

Dazu gehört für Kirsten auch, sich in einer Fremdsprache zu verständigen. Sie hat neben Englisch und Französisch auch Spanisch und Italienisch gelernt: "Ich finde es toll, mich in einer fremden Sprache zu unterhalten und endlich mal auszuprobieren, was ich theoretisch gelernt habe", sagt sie. "Dabei habe ich schon viele witzige Leute kennen gelernt." Diese Erfahrung hat auch Katrin gemacht. Während sie sich zu Hause nicht unbedingt darum reisst, Englisch oder Französisch zu sprechen, gehört das für sie auf einer Reise ganz klar dazu. Am Strand von Nizza mit Franzosen flirten oder in Phoenix/Arizona versuchen, die Amerikaner zu verstehen - das gefällt ihr, auch wenn schwierige Wörter oder komplizierte Sätze sie manchmal ins Schwitzen bringen können, gibt sie lachend zu. Aber es sind nicht allein die neuen Eindrücke, die ein Glücksgefühl verursachen. "Reisen bedeutet meistens eine arbeitsfreie Zeit - und das finden nicht nur Erwachsene angenehm", sagt Professor Funke.

Die Mischung macht’s

Für Katrin, die Französisch, Geschichte und Kunstgeschichte studiert und sich gelegentlich auch gerne mal von den Vorlesungen erholt, gibt es deshalb auch nichts Schlimmeres, als "eine Reisebegleitung, die einen Besichtigungsmarathon absolvieren will, ohne einmal links und rechts zu schauen." Wenn sie verreist, ist ihr vor allem eines wichtig: die richtige Mischung. "Ich will nicht nur Sehenswürdigkeiten abklappern, sondern auch einfach umher spazieren, ein schönes Café finden, einen Film anschauen und durch die Läden bummeln", sagt Katrin, und Melina gibt ihr recht: "Wichtig ist das richtige Verhältnis zwischen Entspannung und Aktivität." In einer schönen Umgebung draußen sitzen und etwas gutes Essen - das gehört für Katrin und Melina zum Reiseglück.

Nicht vor dem Alltag fliehen wollen

Trotzdem: Reisen macht nicht immer glücklich, warnt Joachim Funke. "Am ehesten passiert  das, wenn man mit sich selbst und der Welt zufrieden ist", meint der Psychologe, "denn sich selbst nimmt man immer mit. Wenn man vor dem Alltag fliehen will, ist das oft schon eine  Garantie dafür, dass die Reise schief geht - da holen einen die  Probleme dann ganz leicht  wieder ein." Das hat auch Kirsten schon erlebt. Sie reist für ihr Leben gern, aber einmal ist  ihr das gründlich misslungen, erzählt sie: "Aus Liebeskummer bin ich spontan zu einer Freundin nach Schottland geflogen, die mich zur Ablenkung auf eine Bustour durch die Highlands geschickt hat. Das Blöde daran: In dem Bus waren außer mir nur Pärchen unterwegs. Ganz schön übel für mich!" Trotz dieser unangenehmen Überraschung: Aufs Reisen würde Kirsten nie verzichten. Eine Einstellung, die Katrin nur zu gut verstehen kann. Die Koffer für ihre nächste Reise stehen schon bereit: Im März fliegt sie in die USA - zu ihrem Freund.

Weiterführende Links:

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