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extra stadtundland: "Die Punkte sind nicht der springende Punkt. Der Punkt ist die Poesie."
Die Grundidee des Poetry Slams wurzelt bereits 500 vor Chr. in der griechischen Geschichte: Dichter traten damals mit selbstverfassten Tragödien und Satyrspielen in einem Wettkampf gegeneinander an, das zumeist adlige Publikum krönte anschließend seinen Favoriten zum Sieger. Der wirkliche Erfinder des heutigen Poetry Slam jedoch ist der US-amerikanische Dichter Marc Kelly Smith aus Chicago. – Gelangweilt von klassischen Autorenlesungen ohne Publikumsbeteiligung entwickelte Smith den Wettbewerb, bei dem sowohl anerkannte Schreiber als auch Hobbypoeten ihre lyrischen Ergüsse auf der Bühne vortragen und danach von den Zuschauern bewertet werden.
Schnelle Verbreitung
Ein Prinzip, das sich seit der Urveranstaltung Mitte der achtziger Jahre nicht bedeutend änderte. Vom Geburtsort Chicago aus verbreitete sich der Poetry Slam zunächst in Nordamerika, in wenigen Jahren wurde der ‚Dichterstreit‘ daraufhin so populär, dass Radio und Fernsehen auf den Erfolgszug aufsprangen und internationale Formate produzierten, wie etwa die TV-Sendung „MTV Poetry Unplugged“, die die beliebtesten Dichtungen Anfang der neunziger ähnlich wie Musikvideos sendeten. Schnell schwappte die Welle auch nach Nordeuropa. Dies lässt sich auf die sprachlichen Hintergründe zurückführen, da dort internationale TV-Sendungen oftmals nicht muttersprachlich synchronisiert werden.
Poetry Slam in Deutschland
Somit gelangten die ausgestrahlten Slams zu großer Beliebtheit und hatten bald viele Nachahmer - bereits 1993 fanden in Skandinavien und
Großbritannien erste Slams statt. Bald darauf zog auch Deutschland nach: Ab dem Jahr 1996 fanden in den Großstädten der Bundesrepublik regelmäßige Poetry Slams statt, bereits im nächsten Jahr wurde in Berlin die erste nationale Poetry-Slam-Meisterschaft ausgetragen. Bis zur Jahrtausendwende überschritt die Anzahl lokaler und regelmäßiger Slams auch die Grenzen zur Schweiz und nach Österreich. Heute finden im deutschsprachigen Raum mehr als 130 Slams regelmäßig statt, die Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften werde jedes Jahr veranstaltet.
Der Wettstreit
In zwei Disziplinen treten die Poeten dort gegeneinander an: Zum einen finden Soloauftritte und Einzelwettkämpfe statt, zum anderen ‚bekämpft‘ man sich im Gruppenwettbewerb in Kleingruppen von je zwei bis sieben Dichtern. In den letzten Jahren fanden die Veranstaltungen großen Andrang, mehr als 10.000 Zuschauer waren im letzten Jahr im Ruhrgebiet bei der fünftägigen Veranstaltung vor Ort. 2011 wird der Wettkampf um die Titel Team- und Einzelsieger in der Hansestadt Hamburg abgehalten. Seit einigen Jahren laufen Bestrebungen, eine internationale Meisterschaft durchzuführen, obgleich die sprachlichen Barrieren dies schier unmöglich machen.
Lernen durch Poetry Slam
Die Leidenschaft vieler Bühnendichter für Wortkunst und Poesie imponiert Menschen aller Altersklassen, sodass es seit einigen Jahren auch vermehrt U20-Slams, also Partien für Teilnehmer, die jünger als zwanzig sind, gibt. Sogar in einigen Schulen soll die Kunst zukünftig eingesetzt werden, um als lebendige Vermittlungsform für Literatur zu dienen, für Lehrkräfte und Erzieher werden bereits Fortbildungskurse und Workshops von Seiten einiger erfahrener Poetry Slammer angeboten, um diese ideal auf ihre Aufgaben vorzubereiten und ihnen den Sinn für die Dichterstreits zu vermitteln.
Beteiligung des Publikums
In den letzten Jahren professionalisierte sich die deutsche Poetry-Slam-Szene so weit, dass inzwischen mehrere Künstler von den Einnahmen ebensolcher Workshops und Auftritten leben können. Ein streng festgelegtes Regelbuch zur korrekten Durchführung eines Poetry Slams gibt es übrigens gegenwärtig nicht, ein gemeinsamer Nenner ist stets eine demokratische Integration des Publikums in das Geschehen. So ist es bisweilen möglich, dass ein Poet durch Fingerschnipsen oder Buhrufe unterbrochen, aber auch durch Applaus bestärkt wird. Die ständige Interaktion ist insbesondere wegen der Juryfunktion des Zuschauers elementar, sodass auch Improvisationen und Reaktionen auf Zwischenrufe nicht unüblich sind.
Die Gewinner
Je nach Form der Veranstaltung gilt es alternative Bewertungssysteme, beispielsweise wird anhand der Lautstärke und Länge des Applauses ein Sieger ermittelt oder etwa durch Stimmzettel. So unterschiedlich wie die Bewertungsmethoden sind auch die Ehrungen, die der Sieger letztlich erhält: Sie reichen von Geld und Sachpreise über Alkohol bis hin zu einer Qualifizierung zur weiteren Slams oder dem Auftritt als ‚Featured Poet‘ –ein Künstler, der seine Texte außer Konkurrenz vorstellt.
Zeitvorgaben
Ein weiterer gemeinsamer Nenner sämtlicher Poetry-Slam-Wettkämpfe ist ein vorgegebener Zeitrahmen, in dem die Künstler ihre Texte vortragen. Wird dieser Rahmen überschritten, droht Punktabzug oder in seltenen Fällen sogar der Ausschluss aus dem Wettbewerb. Die Texte der Teilnehmer müssen abgesehen von ihrer Vortragslänge lediglich eines sein: selbstverfasst. Bei der Themenwahl sind den Autoren dabei keinerlei Grenzen gesetzt – Alltagsthemen wie Liebe, Familie und Politik sind dabei genauso anerkannt wie Fantasietexte.
Spaß an der Sprache
Die Sprache ist in der Regel die Landessprache des Veranstaltungsorts, wobei Dialekte und Fremdsprachen keinesfalls verboten sind - wer jedoch den Sieg anstrebt, sollte beachten, dass die Zuhörer doch eher unwahrscheinlich einen Teilnehmer zum Gewinner küren, dessen Aussage sie nicht verstehen. Und des ganzen Wettbewerb-Charakters zum Trotz steht im Mittelpunkt doch der Spaß an der Sprache, ganz im Sinne des Zitats Allan Wolfs.
Im folgenden Video könnt ihr eine Kostprobe eines Poetry Slams erleben, dies ist der Gewinnerbeitrag eines Slams im September des letzten Jahres in Rahmen des Jugend Medien Events 2010 im Kölner Gloria Theater.
Weiterführende Links
im Jugendnetz:
- Alle Artikel von Carolin Kaiser
- Alle Artikel aus Financial t('a)ime
im weiteren WWW:
- Zu der Schülerzeitung Financial t('a)ime
- Wikipedia Eintrag zum Poetry Slam


