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Das Generationenhaus - Drei Generationen unter einem Dach

Das Generationenhaus - Drei Generationen unter einem Dach

Großeltern, Eltern, Kinder und vielleicht noch die Urgroßeltern unter einem Dach - das war früher normal, ist es aber längst nicht mehr. Was viele vielleicht den "Dialog der Generationen" nennen würden, gehört in der Weiherstraße 13 in einer kleinen Schwarzwaldgemeinde zum Alltag. Hier leben drei Generationen unter einem Dach. Vom "Generationenkonflikt" keine Spur, aber ohne kleinere Kontroversen geht es natürlich auch nicht. Wie funktioniert das Zusammenleben von Jung und Alt in unserer heutigen Zeit eigentlich?

 
 
Es riecht nach frisch aufgebrühtem Kaffee und selbst gemachtem Streuselkuchen. Oma Olla (79) hat eingeladen - zum Kaffeeklatsch mit ihrer Enkelin Kerstin (23). "Es ist toll mit den Kindern und Enkelkindern unter einem Dach zu leben", sagt sie, "aber nur, wenn man auch mal die Türen hinter sich schließen kann." Gemeinsam mit ihrem 80-jährigen Mann Hans lebt sie seit 20 Jahren in der hellen 3-Zimmerwohnung im Haus von Tochter Gunda und Schwiegersohn Rainer. Auch Kerstin und ihr Bruder Hendrik (19) wuchsen hier auf.

Hoch zum Kartenspielen - runter zum Babysitten

Oma Olla und Opa Hans, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus einer deutschen Siedlung in Polen in den Westen flüchteten, stammen beide aus großen Bauernfamilien. "Da war es normal, dass die Alten erst für die Jungen sorgen und später dann umgekehrt", erklärt Oma Olla. Als ihre Tochter eine eigene Familie gründete und mit ihrem Mann ein Haus bauen wollte, lag es für sie nicht fern, gemeinsam das Haus zu bauen, in dem Jung und Alt zusammenleben sollten. Die Vorteile zeigten sich rasch: Oma und Opa erwiesen sich als gute Babysitter und sprangen ein, wenn Mutter Gunda zur Arbeit musste. "Aber auch für uns ist es eine große Erleichterung zu wissen, dass immer jemand da ist, der uns helfen kann", sagt Oma Olla. Sie freuen sich vor allem über die kleinen, alltäglichen Gefälligkeiten und Begegnungen, wenn die Enkel mal Sprudelkisten in den Keller tragen oder Kerstin mit ihrem Freund zum Kartenspielen vorbeikommt. "Ich sage dann zwar immer: Komm, wir zocken Oma ab - aber meistens ist es umgekehrt", lacht Kerstin. Oma Olla und Opa Hans haben noch erlebt, wie es ist, sich Tag und Nacht für einen pflegebedürftigen Menschen aufzuopfern. Viele Jahre haben sie die Uroma gepflegt. Deswegen wollen sie auch niemals von anderen verlangen, das Gleiche für sie zu tun. Sie möchten auf keinen Fall zur Last fallen. "Wenn wir uns nicht mehr selbst versorgen können, gehen wir in ein Heim", sagt Oma Olla bestimmt.

Geduld und Toleranz

Familienleben wird in der Weiherstraße 13 groß geschrieben. "Die immer wiederkehrenden Rituale - das ist es, was uns so zusammenhält", meint Kerstin. Und die beschränken sich nicht nur auf die alljährliche Weihnachtsgans. Da wird gespielt, Kaffee getrunken und es werden Ausflüge gemacht. Letztens hatte Opa Hans Geburtstag und während er mit Rainer und Hendrik im Dreisamstadion für den SC Freiburg die Daumen drückte, waren die Frauen shoppen. Alles ganz harmonisch? "Klar gibt es Meinungsunterschiede zwischen uns allen, aber solange wir uns nicht ständig auf die Pelle rücken, geht das schon", erklärt Kerstin. Die Sozialpädagogik-Studentin würde zum Beispiel niemals mit Oma Olla sonntags in den Gottesdienst gehen, und Oma Olla würde niemals versuchen, Kerstin von ihrem eigenen Glauben zu überzeugen. Als Kerstin 15-jährig mit einem Nasenpiercing nach Hause kam, reagierte Oma Olla auch deutlich gelassener als Vater Rainer: "Mit dem Alter wird man eben geduldiger und toleranter."

Gemeinsam leben heißt, vom Anderen lernen

Die Lebenspläne von Oma Olla und Kerstin unterscheiden sich natürlich ganz erheblich. Während die Großmutter mit 23 Jahren bereits Ehefrau und Mutter war, liegt der Familienwunsch bei Kerstin noch in weiter Ferne. Sie steckt schließlich noch mitten im Studium. "Bevor ich 30 werde, ist daran noch gar nicht zu denken", sagt sie. Dieses Sicherheitsdenken der Generation von heute habe es damals nicht gegeben, meint Oma Olla. "Damals hatten wir viel existentiellere Probleme und Sorgen." In den Kriegswirren und Hungerjahren hatte sie gar keine Möglichkeit einen eigenen Beruf zu ergreifen: "Ich wäre so gerne Erzieherin geworden, doch damals hieß es, als Mädchen würde man doch sowieso früh heiraten und Kinder bekommen." Umso schöner findet es Oma Olla, dass Kerstin die Chance hat, sich im Beruf selbst zu verwirklichen und nach ihren eigenen Vorstellungen und Zielen zu streben. Dass die unterschiedlichen Generationen etwas voneinander lernen können, ist bei Kerstin und ihrer Großmutter offensichtlich. Abgesehen von einem Kochbuch, das Oma Olla gerade für Kerstin bastelt - mit Tipps, wie zum Beispiel nach altem Familienrezept "schwäbische Kartoffelknöpfle" am besten gelingen -, werden auch tiefgründigere Werte ausgetauscht. Toleranz beispielsweise habe sie von ihrer Großmutter gelernt, erklärt Kerstin. "Oma sagt immer: Man kann den Anderen nicht ändern, nur sich selbst, und das nehme ich mir sowohl bei Streitigkeiten mit meinem Freund, als auch im Job sehr zu Herzen." Und Oma Olla? Die genießt es, mit ihren Enkelkindern mehr Zeit zu verbringen, als es früher mit ihren eigenen Kindern möglich war. "Dabei bleibe ich jung und bekomme mit, was die Jugend heute so beschäftigt", sagt sie. Ob bei Kerstins legendären Kindergeburtstagsdiscos oder Hendriks Playstation-Abenden - Oma Olla war stets ein gern gesehener Gast. "Früher kamen die Kinder immer Samstagabend zu uns hoch, wollten bei uns schlafen und alte Geschichten aus dem Krieg hören", erinnert sich Oma Olla. Mutter Gunda wunderte sich dann immer und fragte, ob sie da oben einen Magneten hätten.

Zwischen Abnabelung und Fortführung

Mittlerweile ist es Abend geworden und Kerstin möchte aufbrechen. Zum Abschied greift sie noch schnell in das legendäre Süßigkeiten-Depot von Oma Olla. "Oma versucht seit Jahren vergeblich, einen sicheren Platz für ihre Schokolade zu finden", lacht sie. Das generationsübergreifende Zusammenleben scheint auch in unserer heutigen Zeit gut zu funktionieren, sofern man Rücksicht aufeinander nimmt, den anderen auch einmal in Ruhe lässt. Ob Kerstin es sich vorstellen kann, später auch mit ihren Eltern unter einem Dach zu leben und das Generationenhaus fortzuführen? "Nein, momentan noch nicht", sagt sie, "schließlich befinde ich mich noch im Abnabelungsprozess von zu Hause." Aber ganz ausschließen möchte sie es nicht. Schließlich kennt sie die Vorteile des Miteinanders von Jung und Alt ganz genau. Aber vorerst genießt sie auch das Alleine-Leben.


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