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Den Geheimnissen des Alterns auf der Spur - Das Studium der Gerontologie
Die Lebenserwartung in Deutschland liegt laut Statistischem Bundesamt derzeit bei über 75 Jahren für männliche Neugeborene und bei über 81 Jahren für weibliche Neugeborene. Mehr als 24 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung sind über 60 Jahre alt. Tendenz steigend. Berechnungen gehen davon aus, dass im Jahre 2030 in Deutschland mehr als die Hälfte der Bevölkerung über 60 Jahre alt ist.. Damit einher gehen wachsende Anforderungen an Einrichtungen für ältere Menschen. Die traditionellen Altenhilfekonzepte greifen zunehmend zu kurz, und das Personal ist angesichts der Entwicklungen oft nur unzureichend geschult.
Studium mit Zukunft
Die Wissenschaft vom Altern hat also Konjunktur. Ziel des Studiengangs sei es, umfassendes Wissen rund um das Thema Altern zu vermitteln, erklärt Eric Schmitt, Privatdozent am Institut für Gerontologie in Heidelberg. Die Wissenschaft hat sich bislang recht wenig mit dem Alter und dem Altern beschäftigt. In den Seminaren und Vorlesungen erhalten die Studierenden Antworten auf bedeutende Fragen der Altersforschung: Welche Vorgänge in Körper, Geist und dem gesellschaftlichen Umfeld führen dazu, dass man altert? Und: Wie können diese Prozesse positiv beeinflusst werden? Wie erreicht man, dass Menschen auch im Alter gesund und selbständig bleiben? Dabei wird Wert darauf gelegt, das Altern nicht ausschließlich als einseitige Phase des Abbaus und des Verfalls zu betrachten. Aus gerontologischer Perspektive erscheint das Altern vielmehr als mehrdimensionaler lebenslanger Prozess der Entwicklung, der geprägt ist durch biologische, psychische, soziale und ökologische Faktoren. Die Gerontologen verwenden aus diesem Grund Ansätze und Erkenntnisse aus den unterschiedlichsten Wissenschaftszweigen, von der Medizin über die Psychologie und Soziologie bis hin zur Rechtswissenschaft oder der Theologie.
Fürs Leben lernen
Das Gelernte nützt den angehenden Gerontologen nicht nur für den späteren Beruf, sie lernen auch etwas für das eigene Leben. "Seit ich Gerontologie studiere, hat sich meine Sicht auf das Alter komplett verändert", erzählt Anna. "Man macht sich viel mehr Gedanken darüber, wie es sein wird, wenn man selbst alt ist." Außerdem verstehe man die Probleme der älteren Generation, der eigenen Großeltern beispielsweise, sehr viel besser. Ihr Studienkollege Dimitrios, der gerade an seiner Doktorarbeit schreibt, sieht das ähnlich: "Wenn man erfährt, welche Probleme Rentnerinnen und Rentner bewältigen müssen, dann verändert sich der Blick auch auf die eigenen Schwierigkeiten. Vieles kommt einem dann nichtig und unbedeutend vor." In der Öffentlichkeit werde das Altern meist sehr einseitig und verzerrt dargestellt, fügt er hinzu, so, als müsse man alles dafür tun, es zu verbergen. Stattdessen berge es doch auch viele Chancen. Gerade ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verfügten über einen großen Erfahrungsschatz, den man unbedingt nutzen sollte, statt sie, wie in wirtschaftlich schlechten Zeiten, vermehrt aus dem Arbeitsprozess auszugliedern. Den Dialog der Generationen können die Studentinnen und Studenten vor Ort direkt üben: Neben den meisten Studierenden, die Mitte 20 sind, gibt es "ältere Semester", die das Studium beispielsweise erst nach ihrer Pensionierung angefangen haben. "Im Institut herrscht eine ausgesprochen familiäre Atmosphäre", erzählt Anna. Kein Wunder, denn pro Jahr gibt es durchschnittlich nur 15 neue Studenten. Gerontologie ist kein "Massenfach". Das Institut an der Uni Heidelberg zählt zu den wenigen, die es in Deutschland gibt.
Zwischen Wissenschaft und Praxis
Um zum Studium zugelassen zu werden, müssen die Studierenden bereits einen Abschluss in einem anderen Fach haben. Dimitrios und Anna haben vorher Psychologie studiert. Mit dem vier Semester langen Aufbaustudium Gerontologie wollen sie sich jetzt weiter spezialisieren. Aber auch für Abiturientinnen und Abiturienten gibt es am Heidelberger Institut ein Studienangebot: In zehn Semestern können sie sich zum Lehrer für das Fach "Pflegewissenschaft/ Gerontologische Pflege" ausbilden lassen. Nach dem Referendariat dürfen sie dann an beruflichen Schulen unterrichten. Dieser Studiengang wird deutschlandweit nur von wenigen Unis angeboten und stellt für Baden-Württemberg sogar eine Neuheit dar. "Unsere Studierenden sollen Bindeglieder zwischen der Wissenschaft und der Praxis werden", sagt die Lehrbeauftragte Tanja Gronemeyer, die den Studiengang in Heidelberg mit aufbaut. Durch die Vermittlung von wissenschaftlich fundiertem Wissen könne die Pflege von kranken und alten Menschen verbessert werden. Auf dem Stundenplan ihrer Studierenden stehen die selben Vorlesungen und Seminare wie bei den Mitstudentinnen und -studenten der Gerontologie. Außerdem besuchen sie pflegewissenschaftliche Veranstaltungen und beschäftigen sich wie alle Nachwuchslehrerinnen und -lehrer mit Fachdidaktik. Sie müssen schließlich wissen, wie man bei Schülern Interesse für den Unterricht weckt.
Krisensicheres Berufsfeld
Damit die angehenden Gerontologen und Pflegewissenschaftler sich auch während des Studiums nicht nur im hohen Elfenbeinturm der Wissenschaft mit dem Forschungsgegenstand beschäftigen, müssen sie ihr theoretisches Wissen dem Praxistest unterziehen. In den Semesterferien sollen sich die Studentinnen und Studenten deshalb bei Krankenkassen, Selbsthilfegruppen, Altenheimen oder in Forschungsprojekten engagieren. Auf diese Weise können sie wichtige Kontakte zu möglichen Arbeitgebern knüpfen. Und von denen scheint es eine Menge zu geben, zumal der Bedarf weiter steigt. "Welches Berufsfeld sich letztendlich eröffnet, ist dann auch abhängig vom ersten Studium und der eigenen Initiative", sagt Schmitt. Dimitrios träumt davon, später ein Altenheim in Griechenland zu eröffnen. Anna hingegen hat vor, in der Erwachsenenbildung zu arbeiten. Für die, die Pflegewissenschaft auf Lehramt studieren, ist das Berufsziel ja ohnehin klar. Und die Chancen, sofort in den Schuldienst übernommen zu werden, stehen gut, wie Tanja Gronemeyer berichtet: "Das baden-württembergische Kultusministerium hat schon einen großen Bedarf an akademisch ausgebildeten Pflegelehrern angemeldet. Das ist sicherlich einer der beruflichen Märkte, die zurzeit relativ krisensicher sind." Einige Gerontologieabsolventinnen und -absolventen werden wohl auch der Universität erhalten bleiben und in die Forschung gehen. "Gerontologie ist ein zukunftsträchtiger Bereich", sagt Eric Schmitt. "Aufgrund der Alterung unserer Gesellschaft wird das Interesse an wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Alter wachsen." Und so wird es mit der Zeit nicht nur auf den zweiten Blick verständlich erscheinen, dass sich bereits die jungen Menschen Gedanken über das Leben im Alter machen müssen.
Weiterführende Links:
Im Jugendnetz:
- Stichwort Studium
- Der Bereich Job aktuell in den Jungen Seiten
- Alle Artikel zum extra jung und alt findest du hier.
im weiteren www:
- REGIERUNGonline, schekker.de - das Jugendmagazin!,
- die Wissenschaft vom Altern


