freistil
Kreatives Loch
Ich rühre gedankenlos in meiner Kaffeetasse und überlege mir, worüber ich heute schreiben könnte. Leider ohne Erfolg, denn in meinem Kopf ist nur Leere. Da sitzt man an seinem Arbeitsplatz und verzweifelt, weil man kein passendes Thema für die neue Ausgabe der Zeitung findet. Dabei muss der Artikel heute noch fertig werden. „Wenn du unter Stress stehst, geht gar nichts. Die besten Ideen kommen sowieso meistens spontan und ohne Vorwarnung“, habe ich mir sagen lassen. Ich versuche also die Ruhe zu bewahren, recherchiere im Internet und frage Arbeitskollegen. „Schreib doch mal darüber, wie Journalisten aus jeder Mücke einen Elefanten machen“, rät mir eine Freundin. Also gut.
Ich gebe „aus einer Mücke einen Elefanten machen“ in das Suchfeld ein. Da sagt man immer, im World Wide Web findet man alles - aber Pustekuchen. Google schlägt mir weitere Deutsche Redearten vor und erklärt den Sinn und Wikipedia trennt das Sprichwort in Silben und übersetzt es auf Englisch. Doch wie man aus einer Mücke einen Elefanten macht, kann ich dort nicht finden. Auf Bild und Bravo.de finde ich dagegen zahlreiche Artikel, bei denen der Autor aus jeder Kleinigkeit eine Schlagzeile mit fetten Lettern macht. Etwa, dass Justin Bieber „total bodenständig“ ist, weil er Zuhause keine Securities braucht oder, dass Taylor Swift eine neue Flamme hat, weil sie einen Bekannten zum Abschied umarmt hat. Aber über den neusten Klatsch und Tratsch der Promiwelt zu schreiben, ist und bleibt wohl eher die Aufgabe der Starmagazine.
Heutzutage ist jeder Journalist auf der Suche nach einem Thema, das beim Leser Interesse erweckt. Selbst Karla Kolumna, die rasende Reporterin aus Neustadt, sucht immer nach einer „Sensation“! Mit ihrem Motorroller und der Kamera um den Hals scheint sie jeden Tag genügend Stories für eine Tageszeitung zu finden. Die hat aber auch täglich einen sprechenden Elefanten und die Hexe Bibi Blocksberg vor der Haustür.
„Wenn man sich die Welt erstmal anguckt, entdeckt man bestimmt etwas Spektakuläres worüber man eine schöne Kolumne schreiben kann“, denke ich nach der vierten Kaffeetasse und beschließe in die Mittagspause zu gehen. Auf dem Weg zum Bäcker, fällt mir auf, wie hektisch die Menschen in der Stadt umherschwirren. Der eine scheint in seiner eigenen Seifenblase zu leben und mit seinen eigenen Problemen beschäftigt zu sein, der andere diskutiert heftig mit seiner Freundin über das Liebesleben seiner Lehrerin. Als ich glücklich mit meiner Butterbrezel an meinen Schreibtisch zurückkehre, wird mir klar, dass ich gar nicht immer eine reißende Story brauche, um einen Artikel zu schreiben. Das Leben ist doch so schon aufregend genug, da schreibe ich lieber zur Abwechslung mal einen skandallosen Text.
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