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Freunde fürs Leben

Freunde fürs Leben

Es ist für die menschliche Rasse ganz natürlich, die Nähe anderer zu suchen und Kontakte zu speziellen Personen zu knüpfen. Doch Freundschaften verändern sich. Ein Jugendlicher versteht unter Freundschaft etwas anderes als ein Kleinkind. Hannah May beschreibt, wie sich das Freundschaftsverständnis der Menschen vom Säuglingsalter bis zum Erwachsenenalter verändert.

 
 

Ungefähr ab dem 3. Lebensjahr werden Freundschaften für einen Menschen wichtig. Die Beziehungen und sozialen Kontakte die wir haben beeinflussen unsere Persönlichkeit, egal in welchem Alter wir sind. Wie stark das der Fall ist, lässt sich am besten an Kindern beobachten, weil sie noch ganz am Anfang ihrer Persönlichkeitsentwicklung stehen. Manche Dinge kann ein Kind nicht von seinen Eltern, sondern nur durch seine Freunde lernen - z.B. wie man sich unter Gleichaltrigen behauptet und Konflikte löst.

Freundschaft bis zum Vorschulalter: Wie du mir, so ich dir!

Der soziale Kontakt bei Säuglingen bezieht sich vor allem auf die Eltern. Deshalb kann man zu diesem Zeitpunkt noch nicht von richtigen „Freundschaften" sprechen. Auch (Klein-)Kinder bis ca. 5 Jahre haben noch nicht die Fähigkeit, sich in Andere hineinzuversetzen und denken noch sehr selbstzentriert. En Freund ist für sie daher vor allem ein Spielkamerad und Unterhalter. Vertrauen ist bei Kinderfreundschaften in diesem Alter noch nicht so wichtig. Alle Kinder, mit denen man jetzt gerade spielt, werden als „Freunde" angesehen. Deshalb nennen Kinder in diesem Alter, wenn man sie fragt, wie viele Freunde sie haben, eine große Zahl und oftmals gehören auch die Haustiere, Lehrer oder Kindergärtner dazu.
Freundschaft zeichnet sich bis zum Vorschulalter durch das Prinzip „wie du mir, so ich dir" aus. Also: Ich gebe dir Schokolade, wenn mir dafür etwas anderes gibst." Bis zum Alter von ca. 6 Jahren sind auch Jungen und Mädchen miteinander befreundet. Ab der Grundschule suchen sie dann eher den Kontakt zum eigenen Geschlecht.

Freundschaft in der Grundschule: „Wenn ich dir eine Tasche mit Geld gebe, musst du sie mir später wiedergeben."

In der Grundschule haben Kinder in der Regel noch sehr viele Freunde, die sie auch oft wechseln. In diesem Alter schließen sich Kinder das erste Mal zu Gruppen zusammen, die allerdings noch keine Strukturen oder Regeln haben. Erst ab 8 Jahren sprechen Kinder von einem besten Freund oder einer besten Freundin. Der Freund wird jetzt als Helfer in schwierigen Situationen verstanden. In den Freundschaftsbeziehungen entsteht allmählich ein Vertrauensbegriff, der sich aber eher auf äußere Verhaltensweisen bezieht. Vertrauen bedeutet hier: Wenn ich dir eine Tasche mit Geld gebe, musst du sie mir später wiedergeben. Bei Kindern im Alter von ca. 9 Jahren hat sich auch das selbstzentrierte Weltbild schon ein wenig gelockert. Sie können sich nun eher in andere Menschen hineinversetzen und erwarten von ihren Freunden auf eine Leistung nicht mehr sofort eine Gegenleistung.

Freundschaft von der Pubertät an bis zum Erwachsenenalter: „Ein Freund ist jemand, dem ich vertraue und der mich weiterbringt."

Ab dem Alter von 12 Jahren ist Vertrauen die wichtigste Voraussetzung für eine funktionierende Freundschaftsbeziehung. In dieser Altersstufe wird vom Freund erwartet, dass er loyal und zuverlässig ist. Kinder möchten, dass Freunde ihnen ähnlich sind und das tun, was sie wollen. Jugendliche und Erwachsene suchen bei ihren Freunden nun eher einen Rückhalt fürs Leben und hoffen, dass man sich gegenseitig ergänzt.

Positive und negative Seiten von Peergruppen

Besonders im Jugendalter bekommen Peergruppen (Cliquen von Gleichaltrigen) eine große Bedeutung.  In Freundschaftsgruppen unter Jugendlichen gibt es feste Strukturen und Regeln, die meistens von einem Anführer bestimmt werden. Die Peergruppen haben positive und negative Seiten: Einerseits bekommt man durch solche Gruppen soziale Kontakte zu Gleichaltrigen (auch zum anderen Geschlecht), andererseits kann es passieren, dass sich Jugendliche sehr stark der Gruppe anpassen und dadurch keine eigene Persönlichkeit und kein eigenes Weltbild entwickeln.

Liebesbeziehungen und Freundschaften

Auch Liebesbeziehungen zum anderen Geschlecht werden in der Pubertät und dem frühen Erwachsenenalter zunehmend wichtig. Nun übernimmt der Partner verschiedenen Funktionen, die früher die Freunde abgedeckt haben. Das bedeutet auch, dass die zentrale Stellung der Freundschaft in ihrer Wichtigkeit etwas abnehmen kann.

Freunde bleiben immer wichtig

Aber auch, wenn sich die Bedeutung von Freundschaft im Lebensverlauf verändert, bleiben Freunde doch immer wichtig. Und manchmal trifft man schon im Sandkasten einen Freund, der einem fürs ganze Leben erhalten bleibt! Das sind dann Freunde fürs Leben.

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