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Nach der Schule: Medizin

WGler: Genießt euer Leben!

 
 

Als ich vor kurzem einen Blick in mein Postfach geworfen hatte, stellte ich überrascht fest, dass Herr Schenck mir eine Mail geschickt hatte, in der er mich bat über mein Studentenleben zu schreiben. So recht habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken darüber gemacht, wie sich mein jetziges Leben von dem unterscheidet, das ich vor zwei Jahren hatte. Ich habe mir mit der Fertigstellung dieses Artikels mehrere Wochen Zeit gelassen und musste feststellen, dass die Schulzeit sowohl Vor- als auch Nachteile hat:

Wenn ich mich in einer akuten Stressphase befinde, sehne ich mich oft in die Schule zurück – unglaublich, wie viel Freizeit ich damals hatte; selbst wenn Klausuren oder sogar das Abi anstanden, konnte ich immer noch viele Dinge nebenher tun.


Seit ich studiere, sieht das ein bisschen anders aus: Schon vor der ersten Anatomie Klausur wurde mir klar, dass ich nun wohl etwas mehr von meiner Zeit vor dem Schreibtisch verbringen würde. Als das erste Semester sich dem Ende zuneigte und richtig viele Klausuren bestanden werden wollten, musste ich auch mal zwei Wochen mit drei, vier Stunden Schlaf auskommen; zum Glück gab’s ja noch das Wochenende. Es war aber schließlich meine Schuld, dass ich nach diesen Wochen ziemlich fertig war. Also beschloss ich, beim nächsten Mal besser etwas früher mit dem Lernen zu beginnen, was ich im folgenden Semester auch immer eingehalten habe.


Auch die Art der Prüfungen änderte sich: Erstes Semester: Viel Multiple Choice (lächerlich dachte ich – von wegen). Zweites Semester – fast nur mündliche Prüfungen, vor denen so ziemlich jeder Student am liebsten, von Panikattacken gequält, davongelaufen wäre. Die meisten der Prüfer sind sich dieser Tatsache bewusst und helfen einem auf die Sprünge, wenn sie merken, dass man wirklich viel gelernt hat. Selbst wenn ich froh bin, dass ich diese Testate hinter mir habe, möchte ich sie doch nicht missen. Sie zwingen einen die Anatomie detailgenau zu lernen und auch mündlich wiedergeben zu können. Schließlich möchte ich mich später mit anderen Ärzten unterhalten können, ohne ins Stottern zu geraten.


Nicht nur auf die Klausuren bezogen ist jetzt einiges anders als in der Schule: Auch mein Stundenplan ist anders. Ich fange später an (wofür ich als Nachtmensch wirklich dankbar bin) und höre später auf; wobei später auch mal sieben oder halb acht sein kann. Die größte Umstellung für mich musste in Punkto Selbstständigkeit erfolgen: Bekam ich früher in der Schule alles bis ins Kleinste „vorgekaut“, sodass daheim kaum noch etwas zu „verdauen“ war, ist nun das Gegenteil der Fall. Nicht selten sitze ich in einer Vorlesung und verstehe nur die Hälfte des Gesagten und frage mich, wie blöd ich eigentlich bin… Gut, dass es nicht nur mir, sondern auch meinen meisten Kommilitonen genauso geht.


In der Schule habe ich oft die Fächer Geschichte und Geo verflucht und gedacht, dass ich später nur noch Sachen lernen werde, die mir Spaß machen. Weit gefehlt – in so ziemlich jedem Studium hat man Fächer, die einem mehr oder weniger liegen. Der einzige Trost ist, dass man sich die Suppe selbst eingebrockt hat.


Auch im privaten Bereich hat sich einiges erschwert, aber auch verschönert. Nicht mehr zu Hause zu wohnen hat einen ungemeinen Vorteil: Ich kann machen, was und vor allem wann ich es will. Die Kehrseite ist allerdings, dass man auch alles selbst machen muss: Früher war ich ganz schön verwöhnt: Wenn ich nach Hause gekommen bin, stand das warme, gut duftende Essen schon bereit und hat auf mich gewartet. Möchte ich jetzt etwas gutschmeckendes Warmes, muss ich es mir selbst zubereiten (über das Mensaessen in Erlangen möchte ich mich lieber nicht auslassen).
Etwas anderes, was mich belastet, ist das Gefühl nirgendwo zu Hause zu sein: Unter der Woche bin ich hier in Erlangen in meiner kleinen WG. Am Wochenende treibt mich die Liebe in die Heimat, wo mein Freund und ich zwischen seinem und meinem Elternhaus hin- und herpendeln.


Im Großen und Ganzen muss ich allerdings sagen, dass mich die meiste Zeit wohl fühle, was vor allem an meinen Freunden hier liegt, die mir den Tag versüßen. Frei nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“ geht das Biochemie Praktikum am späten Nachmittag gleich schneller vorbei.
Und wenn ich euch Schülern noch einen Rat geben dürfte: Genießt euer Leben und macht euch nicht die gute Laune kaputt, wenn ihr für eine Arbeit lernen oder ein Referat vorbereiten müsst. Seht es einfach als Übung für später, denn sich und ein Thema zu präsentieren sind Fähigkeiten, die in fast allen Richtungen gebraucht werden – auch noch nach Schule und Studium. Früher habe ich es nicht ausstehen können, wenn ich eine Präsentation halten musste – heute macht es mir sogar Spaß, da ich durch die viele Übung immer selbstsicherer geworden bin.
Ich hoffe, dass ihr euren Weg findet, der euch ebensoviel Freude bereitet wie mir mein Studium.

Artikel von: Sarah Ciak

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