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Nach der Schule: Mediengestalter

Ihr interessiert euch für die Berufsausbildung zum Mediengestalter? Dann freut euch auf einen Eiblick in den Berufsalltag durch Jens Brückmann.

 
 

Mit Vorkenntnissen schneller ans Ziel

Mein Name ist Jens Brückmann und mache gerade eine Ausbildung als Mediengestalter für Digital- und Printmedien – Schwerpunkt, Gestaltung und Technik. Konkret bedeutet das in meinem Falle: ich designe und programmiere in einer Werbeagentur Websiten für Firmen, Betriebe, aber auch für Privatkunden - sofern diese das nötige Kleingeld dazu haben.
Für jeden, der sich einen Beruf in der Medienbranche ausgesucht hat, aber auch für diejenigen, die einfach wissen wollen, wie es in anderen Branchen so zugeht, werden meine bisherigen Erfahrungen sicherlich interessant sein. Ich möchte aber vorausschicken, dass nicht alles pauschalisiert werden sollte, denn es sind „nur“ subjektive Eindrücke und Erfahrungen, die sich nicht auf alle Betriebe übertragen lassen.


Ich muss ehrlich sagen, dass ich im Vergleich zu anderen eigentlich nicht allzu viele Bewerbungen verschickt hatte. Es dürften „nur“ rund 25 gewesen sein. All diejenigen, die sich auch für den Beruf interessieren, kann ich folgende Tipps geben.

Tipps:

Wenn Ihr euch z.B. für eine Ausbildungsstelle als Mediengestalter bewerbt, ist es immer von Vorteil ein paar Referenzen aus dem Ärmel schütteln zu können. Ob selbst erstellte Websiten, Flyer, Plakate oder Visitenkarten – wer eventuell in diesem Bereich Vorwissen hat und Referenzen dieser Art seiner Bewerbung beilegen kann, ist klar im Vorteil und hat in der Regel sehr gute Chancen zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, gar einen Ausbildungsvertrag unterschreiben zu dürfen!

Außer, die Bewerbung landet auf dem Tisch eines Personal-Chefs, der schon mal anhand der ihm nicht zusagenden Mappenfarbe, eine grobe Selektion vornimmt...


Oftmals werden Azubis nur eingestellt, wenn sie schon entsprechendes Vorwissen haben. Auf der einen Seite argumentieren viele, dass dadurch Azubis gerne mal als „billige Arbeitskraft“ ausgenutzt werden. Auf der anderen Seite aber kann man schon sehr früh Verantwortung für größere Projekte übernehmen, was das Selbstbewusstsein und die berufliche Entwicklung ziemlich pushen kann. Für jemanden, der sich nun als Mediengestalter bewirbt, heißt das konkret: wer Grundkenntnisse im Umgang mit Photoshop, Illustrator, Flash und vielleicht sogar (X)HTML und CSS vorweisen kann, hat ziemlich gute Karten.

 

 

 

 

 

 

 

Meine Erfahrungen

Irgendwann hatte ich dann selbst ein Bewerbungsgespräch in einem Betrieb ergattert, bei dem ich wusste, dass das genau die richte Anlaufstelle für mich war. Dort würde ich das lernen bzw. vertiefen können, was ich schon in meiner Freizeit gerne tat - Internetseiten erstellen!
Heute muss ich sagen, dass ich eigentlich bei diesem Bewerbungsgespräch, von dem ich mir viel erhoffte, Glück hatte. Zu meiner Überraschung durfte ich das Bewerbungsgespräch mit einer hübschen, jungen Frau führen, die alles andere als unattraktiv war (und heute ist sie meine Ausbilderin – Yes!). Was während des Gespräches auch manchmal dazu führte, dass ich vor lauter Attraktivität sinnlosen Gedankenmüll daher plapperte und selbst lachen musste. Aber so schlecht hatte ich mich dann scheinbar doch nicht verkauft. Nach dem Gespräch wurde mir schließlich noch eine Aufgabenstellung mitgegeben, die ich zu Hause umsetzen und dann per Mail zurück schicken sollte (ein paar Design-Entwürfe für eine Website und ein paar Visitenkarten erstellen). Anscheinend war man mit meiner Arbeit zufrieden. Ich durfte dann letztendlich noch eine Probewoche absolvieren. Zwei Wochen später hatte ich dann meinen Ausbildungsvertrag im Briefkasten stecken!


Bevor meine eigentliche Ausbildung aber dann endlich begann, musste ich allerdings noch ein ein-monatiges Praktikum absolvieren. Jetzt nach ein paar Monaten in meiner Ausbildung wird mir erst klar, dass ich mich dafür doch schon ins Zeug legen und einige Hürden nehmen musste. Angesichts des aktuellen Stellenmarktes bin ich der Meinung, dass man bei Bewerbungen und Gesprächen immer 120% geben sollte. Irgendwann steht man eventuell mit leeren Händen da, hat nicht mal einen Plan B. Um so etwas zu vermeiden, sollte man sich auf jeden Fall auf Bewerbungsgespräche und Auswahltests wirklich gut vorbereiten. Ich persönlich bin jemand, der sich am liebsten auf alle möglichen Situationen immer gut vorbereiten will. Manchmal kommt es im Nachhinein zwar ganz anders, als man denkt, aber wenn man am Anfang weiß, dass man einen Plan B hat, gibt das einem immer genug innere Sicherheit, um auch mal flexibel zu denken bzw. zu handeln.

Der Arbeitsalltag

Mein Arbeitsalltag, wenn ich einmal keine Berufsschule habe, sieht so aus, dass ich um 8 Uhr anfange, von 12 – 13 Uhr ist Mittagspause und um 17 Uhr mache ich in der Regel Feierabend. Aber ich arbeite Gleitzeit. D.h., meine Arbeitszeit kann ich recht flexibel gestalten: beispielsweise die Mittagspause verkürzen, um dann früher zu gehen oder morgens eine halbe Stunde später kommen, um dann dafür aber abends länger zu arbeiten. Solange ich auf meine 8 h am Tag bzw. 40 h in der Woche komme, geht das in Ordnung. Allerdings kommt es auch nicht zu selten vor, dass kurz vor Feierabend der Chef mit einem dringenden Auftrag kommt, der schnellstmöglich erledigt werden muss. So passiert es auch ab und zu, dass man seinen Zahnarzt-Termin absagen bzw. seine Verabredung sausen lassen und bis spät abends arbeiten muss... man sollte in der Hinsicht schon flexibel sein und Kompromisse schließen können. An solchen Tagen sehne ich mich dann oft nach meiner Schulzeit, als ich meist bereits nach 6 Schulstunden (!) nach Hause gehen durfte. Das war'n noch Zeiten...

Auf der anderen Seite aber empfinde ich es als angenehme Abwechslung, dem ständigen Leistungsdruck, dem man als „Vollzeit-Schüler“ ausgesetzt war, hin und wieder entfliehen zu können. Natürlich muss man als neuer Azubi auch zeigen, dass man seinen, wenn auch manchmal niedrigen Verdienst, wert ist. Aber ich denke, die abgemilderte Angst vor ständigen Klausuren oder Tests wirkt sich auf das allgemeine Wohlbefinden und auf den Arbeitsalltag nach meiner Erfahrung nach positiv aus.

Neben meiner Ausbilderin sind für mich aber auch die Lehrer in der Berufsschule wichtige Ansprechpartner. Sehr positiv sehe ich den Umgang mit meinem Praxislehrer, der für mich nicht nur ein Lehrer, sondern auch mittlerweile ein guter Freund geworden ist. Wir unterhalten uns auch außerhalb des Unterrichts über den Stoff des Unterrichts, Situationen in Betrieben oder albern einfach nur herum. Das geht aber auch nur, weil er gerade mal 8 Jahre älter als ich ist, auf die Schüler zugeht und vor nicht allzu langer Zeit selbst noch Schüler an der Schule war. Nebenher ist er auch selbst als Geschäftsführer in einer eigenen Werbeagentur tätig und weiß somit genaustens über die Arbeit und die Probleme eines Azubis in der Werbebranche Bescheid.

Ich möchte auch ganz ehrlich sagen, dass die Medienbranche doch in den letzten Jahren teilweise sehr überlaufen und daher ein sehr hart umkämpftes Feld geworden ist. Daraus resultiert, dass das Lohn-Arbeitszeit-Verhältnis in der Regel nicht dem anderer Berufe oder Branchen entspricht. Ähnlich ist es auch in der Gastronomie, aber das ist auch eine ganz eigene Geschichte.


Deswegen möchte ich jeden warnen: wer sich eine Werbeagentur mit hochmoderner Inneneinrichtung und überdurchschnittlichem Lohn vorstellt, wie es uns das Fernsehen oftmals vorgaukelt, der wird ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Es ist ein ganz normales „Handwerk“ - wie Maurer oder Dachdecker. Nur sitzt man eben am PC, verdient aber im Gegensatz dafür oftmals wesentlich weniger. Man muss wirklich für sein Geld ackern und eben auch mal einige Überstunden schieben. Eine gewisse Portion Idealismus sollte man daher schon mitbringen.
Aber in diesem Zusammenhang finde ich es auch richtig, dass mir mein Praxislehrer die Augen geöffnet hat, auch mal die andere Seite – die des Arbeitgebers – zu beleuchten! Wenn man bedenkt, was ein Azubi kostet, Kosten verursacht und sich dann noch vor Augen führt, dass man als Arbeitgeber mit den ständigen Sorgen leben muss, genügend Aufträge rein zu bekommen, um den Mitarbeitern einen lebenswerten monatlichen Lohn auszahlen zu können, um sie nicht entlassen zu müssen, so möchte man nicht wirklich in der Haut des Arbeitgebers stecken. Also nicht immer auf den unfairen Chef schimpfen.

Beim Schreiben dieses Textes ist mir irgendwann gegen Ende wieder bewusst geworden, dass er doch eigentlich relativ nutzlos ist. Denn er beschreibt nur subjektive Eindrücke und Erfahrungen, die man nicht mit Worten weitergeben kann. Er kann allenfalls als Denkimpuls aufgenommen und verwertet werden. Am meisten lernt man immer noch, wenn man selbst die Erfahrungen sammelt, die man einfach sammeln muss! Mal sind es schlechte und oft sind es auch wieder gute. Aber immer ist es ein Fortschritt in seiner eigenen persönlichen Entwicklung. Allem immer etwas Positives abgewinnen. So sehe ich es zumindest. Und ich denke, dass Erfahrungen solcher Art in jedem Fall Gold wert sind. Genauso glaube ich, dass man vor dem, was in der Zukunft liegt oder noch sehr fremd und ungewohnt erscheint, keine Angst haben muss bzw. sich keinen großen Kopf machen sollte. Meist kommt vieles doch anders, als man denkt. In der Regel kann man wenig verlieren – dafür aber sehr viel gewinnen.

Artikel verfasst von: Jens Brückmann

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