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ANTIHELD: Straßenköter-Pop im Kessel

Popmusik mit Ohrwurmpotenzial, dazu Akkordeon und eine raue Stimme für die Individualität: So lässt sich die Musik von ANTIHELD beschreiben. In letzter Zeit tauschen die fünf Jungs aus Stuttgart ihren Probenraum oft gegen den Schlossplatz aus und machen Straßenmusik. Dort trafen wir uns mit Luca, Henry, André, Theo und Arne und fragten sie aus: Über die Ursprünge der Band, ihre persönlichen Lieblingssongs und einen möglichen Plattenvertrag.

 
 

Wie ist eure Band überhaupt zustande gekommen?
André:
Uns gibt es jetzt ziemlich genau drei Jahre. Ich hab mich damals auf die Anzeige vom Luca gemeldet, der eine Band gesucht hat, hab mich vorgestellt und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Und die Jungs hier sind alle alte Kumpels von mir, aus dem Studium und noch von anderen Bands. Dann gab’s ein paar Telefonate und schon hatten wir eine Band.
Mittlerweile sind wir nicht nur Bandkollegen, sondern auch richtig gute Freunde geworden.


(Quelle: Instagram: Antiheldmusik)

Hat sich euer Musikstil geändert?
Luca: Ja, ganz ganz arg. Am Anfang war es so, dass ich meine Schnulzensänger-Singer-Songwriter-Pop-Songs, die ich allein in meinem Kämmerle geschrieben hab, den Jungs vorgespielt hab, und die haben halt mitgespielt.
Mittlerweile ist das viel ausgecheckter. Ich schreib‘ zwar immer noch die Texte, aber wir arrangieren das dann im Proberaum zusammen, gehen auch noch mal über die Texte drüber.
In den letzten Jahren haben wir uns sehr intensiv mit uns und unserem Produkt auseinander gesetzt. Wer wir sind und was wir da eigentlich transportieren wollen. Das haben wir auch ganz gut geschafft, weil wir eigentlich sehr kommerzielle Musik machen, ich aber nicht die Standard-Popstimme habe – das ist alles ein bisschen rauer und kantiger und dann haben wir noch das Akkordeon dabei. So haben wir halt versucht, auf dem großen Plattenmarkt zu bestehen und trotzdem unser eigenes Ding zu machen. Da haben wir jetzt lange gearbeitet und sind jetzt aber einem Punkt wo wir sagen können: That’s it. Diese Musik machen wir.
ANTIHELD macht jetzt ganz offiziell „Straßenköter-Pop“.



Habt ihr ein persönliches Lieblingslied bei euren Songs?

Theo: Mein persönliches Lieblingslied ist „Nägel kauen bis Blut fließt“, weil ich mich zu großen Stücken selbst seh‘, in dem Song. Luca schreibt ja auch aus gewissen Gründen und über Leute, die wir kennen. Er hat auch schon sehr, sehr erkennbare Personen gezeichnet, in seinen Texten.

Luca: Also mein Lieblingslied aus der letzten Zeit ist „Bisschen große Liebe“. Das hat aber auch mit der Musik und dem Arrangement zu tun – ich bin ja eigentlich schon noch ein kleiner Punk tief im Herzen. Das ist eben eine Nummer, wo wir so ein bisschen diesen Rotz drin haben. Und das Thema ist so omnipräsent, gerade auch in meinem Umfeld. Alle studieren, fangen an zu heiraten, bekommen Kinder… Aber keiner weiß so richtig, wo sein Weg hingeht. Für mich ist das alles so unvorstellbar: Haus, Frau, Kinder, Auto haben – ich kann mir überhaupt nicht erklären, wie sowas passieren kann!

Henry: Einen richtigen Lieblingssong habe ich nicht, man findet sich in allen Liedern irgendwie wieder. Auch weil Luca Texte schreibt, in denen wir wirklich dabei waren. Da hört man eine Zeile und denkt so „oh, ich glaube hier geht es gerade um mich“.
Ich steh aber total auf „Für immer“, weil das eine Klaviernummer ist und ich da natürlich dann einen großen Job habe und so viel Epos drin ist. Bei dem Lied haben wir auch so eine musikalische Explosion eingebaut. Das finde ich ganz geil.

Arne: Das ist bei mir ganz klar unser neuer Song „Berlin am Meer“, weil ich’s da wieder geschafft habe, unser eigener Fan zu werden. Ich hör das selbst einfach gern. Oft ist es schwer, seine eigene Musik anzuhören, weil da so viel drinsteckt und man kann nicht richtig befreit zuhören. Aber den Song hab ich sogar zu meinem Weckton gemacht, was eigentlich total bescheuert ist (lacht).


Also fließen eure eigenen Erlebnisse in die Songs mit ein?
Luca: In der Regel schreibe ich schon Sachen, die mir entweder selbst widerfahren sind oder über die ich mir Gedanken mache, und ich glaub‘, das merkt man auch. Ich glaube, dass wir gerade deswegen so viel Erfolg haben, weil wir authentisch sind. Weil die Musik einfach echt ist, und man mir die Texte auch abnimmt. Beim Songwriting habe ich mich schon immer ziemlich nackig gemacht und nehme auch kein Blatt vor den Mund. Das kommt bei den Leuten auch an.



Konzentriert ihr euch momentan voll und ganz auf die Band oder läuft da noch was nebenher?

Arne: Lebenserhaltende Maßnahmen, meinst du? Wir arbeiten alle noch zwei bis drei Tage in der Woche. Ich zum Beispiel als Schlagzeuglehrer, aber ansonsten haben wir alle das ziemlich runtergeschraubt, um uns auf die Band zu konzentrieren.

Luca: Wir haben es Gott sei Dank mittlerweile auch geschafft in unseren Jobs alle so flexibel zu sein, dass wir alles in die Band reinstecken können.
Wir leben glaub‘ schon so ein bisschen am Existenzminimum. Also uns geht’s zwar gut, aber reich sind wir jetzt nicht… Aber ganz arg reich an anderen Dingen! (zustimmendes Gelächter der anderen)


Ihr wart letztes Jahr Vorband von The BossHoss. Wie ist es dazu gekommen?
Luca: Das lief über den Bandpool der Popakademie. Die haben uns auserkoren, dass wir das machen dürfen. Da waren wir natürlich sehr dankbar und das war bis jetzt so das Größte, das wir gemacht haben. Das waren so 10.000-12.000 Leute.
Das Ding ist einfach: Ich will Rockstar werden seit ich denken kann. Und kurz davor haben wir auf dem Southside Festival gespielt. Zu einer Scheißzeit und im Zelt, aber vor so 4.000-5.000 Leuten, weil wir den Auftritt ziemlich gut promotet haben. Danach dachte ich so: Jetzt kannst du auch sterben, besser kann’s nicht werden.
Und dann kam direkt ein paar Wochen später der andere Gig und das haut dich dann natürlich komplett aus der Bahn.



Was ist dann dieses Jahr so an Auftritten geplant?

Luca: Wir dürfen es leider noch nicht sagen… Wir haben auf jeden Fall einen richtig, richtig, richtig geilen Gig drin. So ähnlich wie The BossHoss letztes Jahr, das wird richtig krass. Und auch sonst ein paar richtig coole Sachen. Wir spielen zwar nicht so viel letztes Jahr, aber ausgewählte und geilere Sachen. Zum Beispiel auch bald mit Culcha Candela zusammen und das wird richtig cool.
Wir wollen außerdem eine Straßentour machen. Einfach unser Zeug packen wenn das Wetter geil ist, mit dem Zug durch Deutschland fahren und abends dann bei Fans übernachten. Der Fan, bei dem wir dann schlafen, kann uns abends dann noch seinen Lieblingsclub oder –Bar zeigen. Einfach eine gute Zeit haben, Leute kennenlernen.
Und die letzten Wochen haben gezeigt, dass wir auf der Straße unglaubliche viele Menschen erreichen und Anklang finden.


Habt ihr konkrete Ziele bis, sagen wir mal 2018?
Luca: Priorität Nummer eins ist auf jeden Fall der Plattendeal. Wir haben gemerkt, dass das Potential da ist und, dass wir auch auf jeden Fall das Potential zu einem Majordeal haben. Wir haben in 1,5 Jahren mit Straßenmusik und allem an die 2.000 Platten verkauft – echt viel. Und haben jetzt direkt nochmal 2.000 Platten bestellt und werden die dieses Jahr wohl auch noch raushauen.
Wenn aus dem Vetrag nichts wird, müssen wir uns einen Plan B überlegen. Aber an einem Deal hängt eigentlich alles. Wir können auch erst richtig große Touren spielen, wenn wir eine Platte haben. Und die Neue ist eigentlich schon produziert, da ist alles fertig. Aber über ein Label sind die Vertriebsmöglichkeiten einfach viel größer und wir erreichen viel, viel mehr.
Man sieht auch an den Leuten, die auf der Straße stehenbleiben: Man kann uns nicht einer Zielgruppe zuordnen, es gefällt irgendwie allen. Querbeet gemischt: die Leute sind jung, alt, Mädels, Jungs. Sind alle dabei und die wollen wir natürlich auch alle erreichen.



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