thema - Das Magazin

Drucken

Die Geburt eines Emojis

Wer ein Smartphone besitzt, nutzt sie täglich. Die kleinen süßen Bilder, die es ermöglichen unsere Emotionen in Nachrichten auszudrücken. Die es möglich machen, eine ernstgemeinte Aussage von einem ironischen Scherz zu unterscheiden. Emoji – es gibt sie in tausenden Variationen. Doch fragt ihr euch auch manchmal, warum es vier verschiedene Briefkasten Emoji gibt und wieso es so lange dauerte den Standard Grins-Smiley einzuführen?

 
 

Alles begann in China. Die Urform der Emoji bestand aus zusammengesetzten Pixel, die per SMS und Email versendet wurden. Das Problem war, dass alle Geräte auf einem anderen Stand waren. Ich konnte also einer Person ein Herz schicken, doch sie würde einen weinenden Smiley empfangen. Als die USA in das Emoji Geschäft einsteigen wollte war klar: Es muss eine universelle Lösung her. Sie gründeten UNICODE – eine Firma, die alle Emoji einführt, die man heute in Whatsapp, Snapchat und Co. findet. Jedes Jahr werden weitere Grafiken hinzugefügt, jedoch keine gelöscht. Es gilt: einmal Emoji, immer Emoji. So sammelt sich eine lange Liste an, die aktuell schon über 2000 Stück beinhaltet. Doch wie werden die Emoji entwickelt? Und wer entscheidet darüber, ob neben den drei vorhandenen Notizblöcken auch noch eines in blau benötigt wird?

Teil 1: Ein Emoji einreichen

Jeder, der eine spannende und innovative Idee für ein Emoji hat, kann sein Modell einreichen. Bevor das eigene Emoji jedoch endgültig in der Unicode-Liste landet, muss man einen langwierigen Prozess durchschreiten. Folgende Punkte müssen bei der Einreichung einer Idee beachtet werden.

1.Identifikation:

Zuerst braucht euer Emoji einen kurzen Namen und mehrere beschreibende Schlüsselwörter. Zur Inspiration stellt Unicode eine Liste mit allen bereits verfügbaren Emoji, ihren Namen und Keywords zur Verfügung. Das schwarze Herz beispielsweise, heißt „black heart“ und wird den Keywords black, black heart, evil und wicked zugeordnet.

2.Bilder

Es muss ein farbiges, ein schwarz-weißes und ein Graustufen-Bild beigefügt werden. Hierfür kann man entweder selbst Hand anlegen, oder einen Grafiker engagieren.

3.Die Faktoren für die Auswahl

Ist das Emoji mit anderen Geräten kompatibel? Kennt ihr das - ihr bekommt eine Nachricht, doch statt eines Emoji wird nur ein Viereck angezeigt? Das liegt daran, dass der empfangene Smiley auf eurem Betriebssystem nicht verfügbar ist. Für die Hersteller ist ein entscheidender Faktor, dass ein Emoji beim Versenden auf allen Geräten wiedergegeben werden kann. Viele Emoji werden nur aus diesem Grund aufgenommen.

Kann man erwarten, dass das Emoji oft benutzt wird? Im besten Fall erwartet man, dass dein Emoji weltweit benutzt wird. Aber es ist auch möglich, dass es nur eine bestimmte Bevölkerungsgruppe anspricht. Eine Gruppe könnte zum Beispiel geographisch definiert werden. Das Emoji könnte also ausschließlich für Nutzer in Japan konzipiert sein.

Hat das Emoji mehr als eine Bedeutung? Ein Emoji wird automatisch öfter genutzt, wenn es mehrere Bedeutungen hat. Es kann eine Metapher oder ein Symbol sein. Die Spinne kann zum Beispiel, neben der eigentlichen Bedeutung, für Insekten, Ekel, Halloween, Spiderman, oder Grusel stehen.

Ist das Emoji innovativ? Der Charakter sollte neu und herausstechend sein. Emoji werden angenommen, wenn sie nicht nur eine Abwandlung eines alten Emoji sind. Es ist zum Beispiel besser eine neue Tierart einzureichen, als eine neue Hunderasse. oder aber:

Vervollständigt das Emoji eine Reihe? Gibt es zum Beispiel schon 7 Sternzeichen, dann können die fehlenden Sternzeichen eingereicht werden, damit die Reihe vervollständigt ist. Allerdings stellt Unicode fest, dass Emoji eine Kategorie lediglich repräsentieren sollen und nicht komplett ausfüllen müssen. Beispiel: Die Herzen variieren in den Grundfarben – es gibt keinen Bedarf für Herzen in weitere Farben, wie dunkelgrün oder pastell-lila.

Wurde das Emoji oft gefordert? Die Chance, dass dein Vorschlag angenommen wird, erhöht sich, bei hoher Nachfrage für das Emoji. Um das herauszufinden, kann man nach weit verbreiteten Hashtags Ausschau halten. Beantwortet alle diese Fragen und ihr seid eurem eigenen Emoji einen Schritt näher.

4.Einsortierung

Zuletzt solltest du noch eine Kategorie wählen, in der du das Emoji einordnen würdest. Anschließend musst du das Emoji in die bestehende Liste einsortieren. Hierfür wählst du ein bereits vorhandenes Emoji, hinter welchem dein neues Emoji folgen sollte. Die Kategorien findet ihr in der Unicode Liste. Z.B. Kategorie: animal reptile – after snake.

Teil 2: Die Auswahl

Nach der Einreichung gelangt dein Vorschlag in das sogenannte Unicode Consortium. In wöchentlichen Telefonaten sichten und besprechen sie die neuen Einreichungen. Eine kleine Auswahl an Emoji, welche den Kriterien entsprechen, werden an das „Unicode Technical Committee“ weitergeleitet. Jetzt werden alle Autoren, deren Emoji in die engere Auswahl fällt eingeladen, um ihre Idee vor dem UTC zu präsentieren. Die Einreichungen, die endgültig ausgewählt wurden, werden einem Art Director von Google zugeschickt. In einem Team werden weitere Entscheidungen getroffen, wie „Welche Farben sollte das Emoji haben?“, oder „Wie sollte das Emoji gekleidet sein?“. Nachdem alle Entscheidungen getroffen wurden, bekommt das neue Emoji endlich seinen Platz in der nächsten Version von Unicode.

 

Jetzt wisst ihr, wie tausende Emoji auf euren Smartphones landen. Im Juni 2018 kommt schon die nächste Version: Unicode 10.0.0 – Welche neuen Emoji wünscht ihr euch für die neue Version? Pitcht uns eure Ideen in den Kommentaren!

 
Es wurden noch keine Kommentare hinterlassen.

Kommentar verfassen:


Schnellsuche:
 
Jugendstiftung Baden-Württemberg - Alle Rechte vorbehalten