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Ein Wohlfühlmorgen für Obdachlose

Wohnungsnot, Obdachlosigkeit, Armut, Hunger, Wohlfühlmorgen. Was ein Wohlfühlmorgen ist und wie es dort abläuft..

 
 

Es ist halb acht morgens, die Sonne beginnt gerade aufzugehen. Am Samstagmorgen betrete ich die Schule, gerade noch rechtzeitig. Auf dem Weg habe ich Menschen gesehen, die in der Kälte auf der Straße schliefen, weil sie kein zu Hause haben. Es ist unvorstellbar, wie sie es schaffen, unter diesen Umständen ihr Leben zu führen. Kaum vorstellbar ist es für mich, dass in diesem Land, in dem die meisten Menschen in Hülle und Fülle leben, circa 39.000 Menschen obdachlos sind. Aber gerade deshalb bin ich ja an diesem Samstag in die Schule gekommen.
In der Klasse macht die Lehrerin nochmal deutlich, warum wir heute hier sind: wir machen einen Wohlfühlmorgen für Obdachlose, unser Ziel ist es, dass die Besucher einen schönen Vormittag haben.
Wir haben noch viel zu tun, bis unsere Gäste kommen. Tische werden gerückt, manche Klassenzimmer werden ein wenig aufgeräumt, das Essen wird vorbereitet, die Kleiderausgabe und die Duschstation werden aufgebaut. Als alles bereit ist, kommen die ersten Gäste. Ich bin in der Kleiderausgabe eingeteilt. Dankbar nehmen sich die Menschen, was sie brauchen. Die Einen reden mehr, die Anderen weniger, einige sind richtig gut drauf und machen Witze - die Stimmung ist allgemein gut. Größtenteils haben die Menschen beim Hinausgehen ein Lächeln im Gesicht. Auch Frau Sophia*, wie sie hier alle nennen, ist heute hier. Mit einem Lächeln im Gesicht probiert sie eine knallrote Jacke an, und fragt alle, wie sie darin aussehe. Die Zeit in meiner Schicht vergeht sehr schnell.
Später am Tag beginnt meine zweite Schicht beim Spülen und Abtrocknen, denn für die Gäste ist der Morgen schon vorbei. Auch beim Spülen herrscht eine ausgelassene Stimmung, es wird viel gelacht, einige erzählen von ihren Begegnungen am Tag, teils lustige aber auch sehr berührende Gespräche sind dabei.
Jetzt ist der Wohlfühlmorgen auch schon wieder vorbei, das Geschirr ist gespült, die Tische gewischt, alle Stationen wieder abgebaut alles sieht so aus wie vorher. Auf dem Rückweg in der Bahn bin ich etwas geschafft, aber auch sehr zufrieden. Obdachlosigkeit ist ein großes Problem, trozdem werden Obdachlose von vielen Menschen einfach ignoriert. Allerdings überzeugen mich Dinge wie der Wohlfühlmorgen immer wieder davon, dass es auch anders geht - dass auch ich helfen kann.


*Name geändert

Bild: "Simon van Faassen" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)
http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/deed.de

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