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Weltweit größtes Karatetraining in Tauberbischofsheim

"Yoi!" Mehr als 1000 Karatefans versammelten sich, um zusammen mit Hideo Ochi zu trainieren, während Zuschauer und Kameras diesen Weltrekordversuch verfolgten.

 
 

7. Mai 2016, Wörtplatz Tauberbischofsheim: Wo sonst Spaziergänger am Stadtstrand flanieren, der Springbrunnen über die frisch gepflasterten Steine plätschert und vereinzelt Fußgänger unterwegs sind, bietet sich an jenem Samstagmittag ein anderes Bild. Ich stehe inmitten unzähliger Karatekas aus ganz Europa. Das Licht der Mittagssonne blendet, über uns kreist eine Drohne und filmt. Europa-Cheftrainer Hideo Ochi steht mit Mikrofon am Rande der Menge und leitet das Mega-Training. Seine japanischen Anweisungen zu den Karatetechniken schallen über den Wörtplatz…

 


Es war das weltweit größte Karatetraining, zu dem Sportler aus ganz Europa in die Kreisstadt reisten, um beim Karatelehrgang „Kata-Spezial“ durch hochkarätige Instruktoren aus Europa und Japan ihre Technik zu perfektionieren. Bereits zum zweiten Mal konnte dieses Event im Mai vom „Ryôzanpaku-dôjô“, den Karateabteilung des TSV Tauberbischofsheim und Wertheim, ausgerichtet werden.

Zwar war der viertägige Lehrgang mit Weltrekordversuch für unseren Verein mit vielen Helferschichten verbunden, doch auch in diesem Jahr waren die Teilnehmer von der Organisation begeistert. „Das wird das Megaereignis im Karate!“, so Cheftrainer Schlatt schon in der Planungsphase. Die Auswertung des weltweit größten Karatetrainings durch Guinness Word Records steht noch aus.

„Yoi!“, ruft Hideo Ochi in die Menge. Mehr als 1000 Karateka nehmen Haltung ein und warten auf das Kommando für die nächste Technik. Dass Karate Disziplin und Willen erfordert, wird dem Zuschauer schon nach kurzer Zeit bewusst. Nur deshalb kann eine Person 1112 Karateka gleichzeitig trainieren – auf Japanisch. Es mag zunächst militärisch aussehen, doch hinter der Trainingsform verbirgt sich eine Philosophie.

Karate ist viel mehr als nur das Zerschlagen von Brettern. Konzentration, Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Atmung, Koordination, Flexibilität, Bescheidenheit und Respekt in Körper und Geist werden durch intensives Training geschult. Die Aufmerksamkeit bewusst zu lenken ist auch im Alltag von großer Bedeutung. So habe ich in meiner Abiturvorbereitung das Training nicht nur als Ausgleich zum Lernen genutzt, sondern auch durch das Karate Motivation und Durchhaltevermögen für die Arbeit am Schreibtisch geschöpft. Ein Training generationenübergreifend, mit verschiedenen Leistungsklassen für alle ansprechend zu gestalten, ist eine Besonderheit des Karate. Auch die Zuschauer des Kata Spezial konnten in den verschiedenen Hallen vom Weißgurt tragenden Grundschüler bis zum hochgradierten Schwarzgurt mit jahrzehntelanger Erfahrung jedes Niveau und Alter beim Training beobachten. „Karate-Dô“, übersetzt „Der Weg der leeren Hand“, stellt einen waffenlosen Kreislauf mit dem Ziel der Perfektion von Technik und Charakter dar. Auch die Karatekas auf dem Wörtplatz ziehen die Motivation für ihren Alltag aus dieser Denkweise. Der Vater des modernen Karate, Gichin Funakoshi, verfasste hierzu den Leitsatz: „Das höchste Ziel im Karate-Do ist nicht der Sieg oder die Niederlage, sondern die Perfektion des menschlichen Charakters.“


 

Weiterführende Links:

FT-Abi-Plattform (Wirtschaftsgymnasium Tauberbischofsheim):

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