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Jugend Rettet

Eines der ambitioniertesten Projekte in der Flüchtlingshilfe wird von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgezogen. Das Team um die beiden Gründer Lena Waldhoff und Jakob Schoen organisiert eine private Seenotrettung im Mittelmeer. „Europa tötet durch unterlassene Hilfeleistung!“ sagen sie. Und wollen es besser machen. Wir trafen Jakob im November auf den Jugendmedientagen in Bonn und interviewten ihn zum Verein „Jugend Rettet e.V.“

 
 
thema: Europa tötet. Wie kommt ihr zu dieser Aussage?
Jakob Schön: Der Satz geht noch weiter. Europa tötet durch unterlassene Hilfeleistung. Es existiert keine EU-Mission, die ausschließlich Seenotrettung betreibt. Die EU hat die Ressourcen, den Seenotfällen im Mittelmeer aktiver vorzubeugen, aber nicht den politischen Willen.
thema: Wie groß ist euer Verein bisher?
Jakob Schön: Unser Kernteam in Berlin, das alles organisiert, besteht aus elf Leuten. Außerdem haben wir Botschafter in bisher 18 deutschen Städten - das wächst und wächst. Dazu kommen noch zweimal elf Leute Crew, außerdem Berater für die Seefahrt, Finanzen und Recht.
thema: Ihr wolltet konkret etwas tun, anstatt nur darüber zu reden, wie seid ihr auf diesen Gedanken gekommen, „das machen wir!“?
Jakob Schön: Die Idee ist uns im April gekommen, kurz nach dem Unglück mit 800 Toten auf der zentralen Mittelmeerroute zwischen Libyen und Italien. Daraufhin haben wir viel telefoniert, verschiedene Meinungen eingeholt und dann tatsächlich recht schnell eine Crew gefunden, die uns unterstützt. Nachdem auch ein passendes Schiff für unsere Zwecke gefunden war, haben wir alles Weitere in die Wege geleitet und im Juli den Verein gegründet. Ab Juni 2016 werden wir auf dem Mittelmeer aktiv sein.
thema: Aktiv sein, was bedeutet das, seid ihr dann selber vor Ort oder koordiniert ihr die Einsätze?
Jakob Schön: Lena und ich werden bei der ersten Operation dabei sein. Danach wird die Crew die Einsätze selbst übernehmen und wir machen die Büroarbeit in Deutschland. Im Moment sind wir vor allem damit beschäftigt, die nötigen Gelder einzutreiben, Öffentlichkeitsarbeit zu machen und mehr junge Menschen ins Boot zu holen.
thema: Wie kann man mitmachen?
Jakob Schön: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wenn man in Berlin ist, kann man das Kernteam unterstützen, ansonsten suchen wir in verschiedenen deutschen Städten Botschafter, die unser Projekt in ihrer Stadt vertreten. Also zum Beispiel an Schulen gehen, an Unis gehen und das Projekt vorstellen. Oder Unterstützer suchen, Spendenaktionen durchführen und Infoveranstaltungen organisieren, bei denen auch einer von uns Gründern in die Stadt kommt. Die Botschafter laden wir auch regelmäßig nach Berlin ein, zu Botschaftertreffen. Ansonsten suchen wir natürlich auch Leute, die ab und zu bei der Crew mit einspringen, das sind aber eher wenige Posten. Vor allem brauchen wir Leute im Kernteam und als Botschafter.
thema: Habt ihr schon mal eine Reaktion erhalten von den Politikern, die ihr wegen unterlassener Hilfeleistung anklagt?
Jakob Schön: Wir haben schon einige Reaktionen bekommen, obwohl wir erst seit Mitte Oktober öffentlich auftreten.Es ist so eine Art Erstaunen dabei und viele sagen auch „Schaut her, jetzt schaffen es Jugendliche, so ein Schiff zu stemmen, wir haben es seit 3 Jahren nicht geschafft!Auf solche Reaktionen zielen wir ab, mit unserem Schiff wollen wir der Forderung Nachdruck verleihen, dass endlich auf europäischer Ebene eine Mission zur Seenotrettung realisiert wird!
 

Weitere Infos findet ihr auf:

http://www.jugendrettet.org

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