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Wir sind dann mal weg!

Meine 130 Kilometer auf dem Jakobsweg.

 
 

Die erste Etappe am „Alto Pedro“

Nach dem Abitur begann die Reise für meine Mutter und mich.
Nur mit dem Nötigsten ausgestattet flogen wir von München nach Madrid. Im Flugzeug nach Pamplona war die Mehrheit mit Wanderschuhen, Wanderkleidung und Jakobsmuschel ausgestattet – also offensichtlich aus demselben Grund an Bord – um zu pilgern.
Nach einer erholsamen Nacht machten wir uns morgens auf dem Weg. Unsere erste Etappe erstreckte sich über 25 Kilometer und beinhaltete den Berg „Alto Pedro“. Aufgeregt und motiviert wanderten wir los und kamen gut voran. Auf dem Gipfel des Berges stehen die berühmten „ewigen Pilger“ und uns bot sich eine tolle Aussicht.
Der Abstieg gestaltete sich durch schmale Wege voller Geröll schwierig und anstrengend. Mit knurrendem Magen und schmerzenden Füßen schleppten wir uns in die nächste Ortschaft, wo es Gott sei Dank ein Restaurant gab. Beim Blick auf meine schmerzenden Füße erschraken wir sehr – überall Blasen. Zum Glück stellte sich kurz darauf heraus, dass die „Blasen“ nur Staub waren. Erleichtert genossen wir das Essen und Trinken.

Hungrig und durstig in Lorca

Um 6:30 Uhr des nächsten Morgens klingelte der Wecker und nach dem Frühstück liefen wir los. Die Etappe war 23 Km lang und wir gingen ähnlich motiviert los wie am Vortag. Die Wege waren wunderschön - alte Römerstraßen, Olivenhaine und Felder voller roter Mohnblüten. Schnell merkten wir, dass die Etappe nicht weniger anstrengend wird als die gestrige! Etliche Anstiege und warmes Wetter machten uns zu schaffen.
Unsere Mittagspause wollten wir nach 16 Kilometern in der Ortschaft Lorca machen. Doch der Weg dorthin wurde zu einer richtigen Tortur. Es war sehr heiß und schattenlos.
Schließlich erblickten wir erleichtert Dächer. Doch die Erleichterung wich schnell der Ernüchterung, da die Dächer zu einigen Hütten gehörten und statt Lorca lediglich ein steiler Anstieg in Sicht war. Von Hunger, Durst und Wut getrieben stapften wir den Hügel hinauf. Dort erreichten wir völlig fertig Lorca. Nach der Pause hofften wir, die letzten sieben Kilometer ähnlich gut wie am ersten Tag zu meistern.

Das Wandern geht nicht spurlos an uns vorbei

Doch auch das wurde zur Qual. Die Sonne brannte vom Himmel und wir befürchteten, uns verlaufen zu haben, da uns ein Schild mit einer falschen (viel zu kurzen) Kilometer Anzahl in die Irre führte.
Endlich erreichten wir Estella und mit letzter Kraft schleppten wir uns in unser Quartier. Dort fanden wir die ersten Blasen, hatten vom Rucksack geschwollene Schulterknochen – und mir bereiteten meine Aggressionen über das falsche Schild und mein Kreislauf Probleme. An diesem Abend hatte ich absolut keine Lust, am nächsten Tag weiter zu laufen.

Doch natürlich wanderten wir auch am nächsten Tag weiter. Meine Mutter sogar richtig fröhlich und motiviert – ich hingegen konnte diesmal keine Motivation aufbringen und war schlecht gelaunt. Doch von Kilometer zu Kilometer stiegen sowohl Laune als auch Motivation bei mir.
Wir bewältigten die 21 Kilometer bis Los Arcos problemlos. Damit war die Hälfte unserer Reise schon geschafft und wir ließen den Abend mit einer leckeren Paella ausklingen.

Die vorletzte Etappe ohne morgendliche Stärkung

Am nächsten Morgen war ich schon wütend, bevor wir überhaupt losgingen. Denn statt des Frühstücks, welches ab 7 Uhr vorzufinden sein sollte, standen wir vor einer verschlossenen Türe. Folglich mussten wir uns ohne morgendliche Stärkung auf den Weg machen. Doch auch an diesem Tag besserte sich meine Laune mit der Zeit.
Die Etappe erinnerte an eine Achterbahn, da es ständig bergauf und bergab ging. Als wir schließlich unser Tagesziel „Viana“ erreicht hatten, konnten wir unser Glück kaum fassen. In dem Hotel gab es eine Badewanne!!! Um an unser Ziel zu kommen, wanderten wir von dem Bundesland Navarra nach La Rioja in die kleine Ortschaft Navarrete.
Obwohl uns von Tag zu Tag das Wandern leichter fiel und uns auch die Hitze immer weniger ausmachte, wurden die letzten Meter zur Qual. Die Sonne brannte vom Himmel und die Ortschaft, die schon in Sicht weite war, wollte einfach nicht näher kommen. Umso mehr genossen wir dann, endlich am Ziel, eine kalte Dusche und ein leckeres Abendessen, bei dem ein Krug Wein für 1,40€ serviert wurde.

„Wir sind dann mal weg“

Als wir am nächsten Morgen, etwas wehmütig, zu unserer letzten Etappe aufbrachen, hatten wir insgesamt schon über 110 Kilometer bewältigt. Als wir zur Mittagszeit in unserem Zielort ankamen ließen wir es uns noch einmal richtig gut gehen und genossen die „Pilgerstimmung“. Am nächsten Tag traten wir voll neuer Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke die Heimreise an und sind uns sicher, dass wir eines Tages wieder sagen werden, „wir sind dann mal weg“!


Weiterführende Links:
FT-Abi-Plattform (Wirtschaftsgymnasium Tauberbischofsheim):

Kontakt zur Autorin: Eva_tbb@online.de

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