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UM JEDEN PREIS

ÜBER DIE SUCHT NACH STATUS-SYMBOLEN

 
 

Massenhaft strömen sie aus dem Applestore, aus Abercrombie, Hollister.

Jugendliche im Kaufrausch, beladen mit Tüten und Taschen. Die h20-Reporterinnen Diva, Yoma, Yeganeh und Tabea wollten in einer Straßenumfrage wissen, was andere über Markenwahn und Status-Symbole denken. Und trafen auf Teenager, die den Marken-Hype okay finden und kritische Konsumenten, die den Labels den Kampf ansagen.

„BEI MIR IN DER KLASSE TRAGEN FAST ALLE MARKENPRODUKTE UND BESITZEN EIN IPHONE ODER ANDERE APPLE-PRODUKTE. WER KEIN SMARTPHONE BESITZT, WIRD DESHALB ABER NICHT AUSGESCHLOSSEN. LEUTE, DIE WIRKLICH NUR MARKEN TRAGEN, SIND OFT OBERFLÄCHLICH UND EINGEBILDET UND WIRKEN DESHALB UNSYMPHATISCH. OFT WOLLEN SIE NUR ZEIGEN, DASS SIE IM TREND LIEGEN. WER DAS UNBEDINGT BRAUCHT, SCHEINT ZU WENIG SELBSTBEWUSSTSEIN ZU HABEN.“

Status-Symbole bringen den gesellschaftlichen Stand des Trägers zum Ausdruck. Und sind damit ein Zeichen von Macht. Früher schmückte man sich mit Orden, heute mit Labels, um anerkannt zu sein und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe auszudrücken. Während man früher mit einer protzigen Karre Respekt und Neid erntete, wird darüber heute eher gelächelt.

Laut einer Studie sinkt der Wert des Autos. Es macht Platz für Gadgets, wie Apple-Produkte und Apps. An Wert gewonnen hat auch das Fahrrad. Mobilität und Umweltbewusstsein ausstrahlend, vertreibt es das Auto von Rang eins der Status-Symbole, vor allem unter Jugendlichen. „Ich brauche kein Auto. Wer in einer Großstadt lebt, kommt auch mit Bus und Bahn gut voran“, sagt der 17-jährige Lukas. Ebenso wie sich der Zeitgeist verändert, wechseln die Status-Symbole. Das gesparte Geld fürs Auto wird lieber in technische Spielereien wie das neuste iPhone 5 investiert.

Zum Hype um das neue Modell befragt, meint ein Mitarbeiter im Applestore am Jungfernstieg: „Der Ansturm war riesig. Um der Nachfrage gerecht zu werden, mussten Wartelisten her.“ Studentin Lisa findet: „Heutzutage braucht man die neueste Technik, um up to date zu sein. Ich persönlich lege nicht viel Wert auf Markenkleidung, aber ich trage sie trotzdem gerne, weil sie qualitativ besser ist.

Im Durchschnitt gebe ich um die fünfzig Euro im Monat dafür aus.

“ Selbst Umweltaktivistin Anja muss selbstkritisch feststellen: „Es fängt morgens mit dem Starbucks-Kaffee an und endet, wenn ich abends E-Mails mit meinem Blackberry checke. Ich brauche das.“ Mittlerweile kann fast alles als Status-Symbol gedeutet werden. Von der Anzahl der Facebook-Freunde bis zur Wahl der Urlaubsorte. „Das sind doch nur Sachen, die an der Oberfläche zählen und mit denen man sich von anderen abgrenzt“, meint dagegen Lukas. „In wahren Freundschaften braucht man so was nicht. Mir ist es unwichtig, wer was trägt. Der Charakter zählt, nicht das Aussehen.“ Dass der Marken-Kult die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander treibt, ist einigen gar nicht bewusst.

Eine Studie des Heidelberger-Sinus-Institutes belegt aber auch, dass viele Jugendliche sich bewusst durch Markenkleidung von anderen Teenagern aus ärmeren Verhältnissen abgrenzen. Doch nicht immer zählen nur teure Labels. Bei der Befragung in der Europa-Passage waren einige Jugendliche, beladen mit Hollister-Tüte, bekleidet mit Ralph-Lauren-Pulli, überraschenderweise auch auf dem Weg zu H&M. Solche „Main-Stream“-Läden werden geschätzt, da sie preiswert sind und den Massengeschmack treffen.

h20-Reporterin Diva meint: Man sollte nicht jedem Trend nachlaufen, sondern mehr Wert auf Individualität legen, um aus der Masse heraus zu stechen. Wollen wir wirklich alle gleich aussehen? Ich bin für Vielfalt, statt Eintönigkeit. Und wer sich nur Marken kauft, um anderen zu gefallen, sollte sich ernsthaft fragen, wer seine wahren Freunde sind.

KONSUMGEIL – ODER WAS?

Text // Yeganeh Orouji
Was denkt man, wenn man an Status-Symbole denkt?
An iPhone, Hollister, Abercrombie, Mercedes? Begegnet mir jemand auf der Straße und ist von Kopf bis Fuß mit Prada-Sonnenbrille, Chanel-
Tasche, Hollister-Jeans und Uggs bekleidet, dann denk ich: Wozubraucht man das? Will derjenige nur ,,cool“ sein? Hat er keinen
eigenen Stil? Ich persönlich mag es ja lieber individuell, Modeist schließlich Kunst, die man trägt.

Hier meine Pro- und Kontra-Liste: JA zu Status-Symbolen? Oder doch lieber NEIN?


PRO // WAS SPRICHT DAFÜR?
• Man ist immer up to date
• Man genießt die neueste Technik
• Man bekommt Anerkennung von Freunden
• Man zeigt den sozialen Status


KONTRA // WAS SPRICHT DAGEGEN
• Man wirkt oft arrogant auf andere
• Man gibt zu viel Geld dafür aus, hat also weniger Taschengeld
• Man hat dadurch keinen eigenen Stil
• Man will nur cool rüberkommen

FAZIT //

 

Ich persönlich sage NEIN zu Status-Symbolen. Wer will schon immer dem neuesten Trend hinterher laufen, alles kaufen, was gerade in ist? Letztendlich kann jeder tragen, was er will und was ihm gefällt. Kauft jemand nur Hollister & Co., dann soll er das tun, wenn’s ihm gefällt.
Wir sind ja selbst verantwortlich, was aus uns wird. Aber ich brauche keine Abercrombie-
Jeans, um zu zeigen: „Hey, Leute! Ich bin toll!“ Persönlichkeit ist viel wichtiger.

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