thema - Das Magazin

Drucken

Workshop zu "Willkommenskultur in der deutschen Gebärdensprachgemeinschaft"

Einen Rückblick auf den Workshop und Einblicke in das Geschehen vom September 2016.

 
 

 

 

Workshop zu „Willkommenskultur in der deutschen Gebärdensprachgemeinschaft“

Termin:

Samstag, 03.09.2016, 14.00 Uhr

Veranstaltungsort:

Jugend- und Kulturzentrum (Treff9)
Friedrichstraße 9, 89522 Heidenheim

Einladung an:

alle – Veröffentlichung durch Plakate/Homepage

Teilnehmer:

24

Es ging bei dem Workshop vor allen Dingen darum, Barrieren und Vorurteile zu erkennen, abzubauen, zu handeln und Kulturangebote zur Integration und Partizipation von tauben Flüchtlingen zu schaffen.

Bereits vor 12.00 Uhr trafen wir uns, um den Raum entsprechend vorzubereiten, in der Küche Getränke und Kuchen bereitzustellen und schließlich wieder Leinwand, Pinnwand, Beamer und Laptop anzuschließen und aufzustellen.

 

Vor 14.00 Uhr kamen schon einige Mitglieder, Gäste und Besucher wie auch irakische gehörlose Flüchtlinge, die 23 jährige Marwa A. mit ihrer Mutter Leyla und der ehrenamtlichen Begleiterin Frau Hebel vom „Freundeskreis Asyl Sontheim“ bei Heidenheim. Sie hat die beiden zu unserer Veranstaltung mitgebracht.

Die gehörlose Marwa A. war sehr ängstlich und traute sich nicht, sich mit jemandem zu unterhalten. Sie konnte kein Deutsch und keine Gebärdensprache und hatte Scheu vor den fremden Leute usw. Wir sahen auch, dass die beiden traumatisiert sind. Sie sind schon vor 10 Monaten nach Deutschland gekommen. Wir haben uns mit der Begleiterin Frau Hebel unterhalten und auch mit Mutter Leyla. Sie übersetzte dann ihrer Tochter. Es war eine nette Begrüßung. Es gab aber auch viel Gänsehaut, als sie von ihrem schweren Weg erzählten.

Wir haben uns über eine halbe Stunde mit der ehrenamtlichen Helferin und der Mutter mit ihrer gehörlosen Tochter unterhalten. Einige Frauen unserer Mitglieder haben sich Marwa A. vorgestellt und sie begrüßt. Langsam strahlte die junge Frau schon und konnte wieder lächeln. Es war, als hätte sie sich lange Zeit nicht mehr unterhalten und gelächelt. Die ehrenamtliche Helferin, Frau Hebel hatte die ganze Zeit zugesehen und beobachtet, wie Marwa A. sich veränderte und begann sich wohlzufühlen, als sie mit anderen gehörlosen Menschen Kontakt aufnehmen und sich unterhalten konnte.

Frau Hebel sagte uns, Marwa war in letzter Zeit sehr deprimiert und einsam, isoliert und sehr traurig.

Wir wussten vorher auch nichts von Mutter und Tochter, aber Frau Prepieur vom „Freundeskreis Asyl Sontheim“ hat unseren Verein gefunden. Sie hat bei uns angefragt, ob die gehörlose Irakerin mit ihrer Familie zu uns kommen könnte. Darum habe ich ihr das Angebot gemacht, sie zum Workshop am 3. September

einzuladen, um sie kennenzulernen, unseren Verein vorzustellen etc. Schließlich waren die beiden auch gekommen, und wir konnten erste Kontakte herstellen.

Ein anderer gehörloser Flüchtling aus der Nähe von Ulm ist leider nicht gekommen. Und noch ein weiterer gehörloser Flüchtling musste absagen.

Mit etwa 30 Minuten Verspätung begannen wir mit dem Workshop. Zuvor hatte es noch Kaffee und Kuchen gegeben.

Herr Kalteis begrüßte als Vorstand zuerst alle Mitglieder und Gäste, die eingeladenen Besucher, Frau Marwa A. und ihre Mutter mit ihrer ehrenamtlichen Helferin, und den Referenten Herrn Drescher.

Herr Drescher stellte sich nochmals vor und erzählte kurz über taube Flüchtlinge. Wie war der Ablauf ihrer Flucht, was erlebten sie dabei und was erzählten sie davon. Es gab viele verschiedene Geschichten über Flüchtlinge. Es wurde deutlich, wie wichtig es ist zu helfen und sich mehr ehrenamtlich einzusetzen.

Viele von uns konnte es nicht glauben und sich vorstellen, wie hart dieser Weg war und welche Leiden er bedeutete.

Eine Kommunikationshelferin hat für Frau Hebel übersetzt. Den Rest konnten einige von uns erklären und mithilfe der Leinwand mit Bildersprache und Zeichensprache ergänzen.

Zwischendrin gab es eine Pause mit Kaffee und Kuchen.

Viele waren begeistert von Marwas Talent für die Zeichensprache. Nach einer Stunde strahlte sie wieder, fühlte sich wohl und konnte gehörlose Frauen umarmen.

Auch Frau Hebel staunte und merkte schon bald, wie wichtig die Kommunikation für taube Flüchtlinge wie Marwa ist.

Wir wissen aus unserer Arbeit und Erfahrung, dass gehörlose Menschen ebenso Kommunikation brauchen wie hörende Menschen. Kommunikation ist die Nummer eins im sozialen Miteinander. Frau Hebel hat das die Augen geöffnet und sie hat viel davon mitbekommen, wie wichtig und unabdingbar Kommunikation für Gehörlose ist.

Wir werden versuchen, einen Antrag für einen Deutschkurs und einen Gebärdensprachkurs für gehörlose Flüchtlinge zu beantragen. Er soll vielleicht 1 bis 2 mal im Monat stattfinden. Wir sind noch in der Planung und bei schrittweisen Vorbereitungen, aber Gemeinsamkeit macht stark.

Nach der Pause machten wir ein Gruppen-Foto mit gehörlosen Flüchtlingen.

Dann ging es weiter.

Herr Drescher traf Vorbereitung für zwei Gruppen. Sie sollten erarbeiten, wie man gehörlosen Flüchtlingen helfen kann.

Die zwei Gruppen mit ca. 7 Personen sollten Zettel mit Notizen für die Pinnwand erstellen. Viele haben sehr fleißig überlegt, wie sie das anpacken würden.

Beide Gruppen haben ihre Zettel an die Pinnwand geheftet und zum Schluss erklärt, wie sie sich Hilfe für gehörlose Flüchtlinge über Vereine, ehrenamtliche Helfer/-innen, andere Einrichtungen usw. vorstellen könnten.

Herr Drescher war zufrieden und glücklich, dass die beiden Gruppen so gut gearbeitet hatten, und er hofft das wir weiter helfen und mitmachen werden.

Danach gab es Gelegenheit für Fragen und Diskussionen, bis ca. 17.30 Uhr. Damit ging der Workshop zu Ende.

Herr Kalteis verabschiedete und bedankte sich bei allen Besuchern und Herrn Drescher für ihr Kommen, das Referat und den Workshop zur Willkommenskultur für gehörlose Flüchtlinge – es war ein sehr interessantes Thema.

Viele waren durch den persönlichen Kontakt mit Marwa und ihrer Mutter sowie all die Geschichten über Flüchtlingsschicksale sehr gerührt.

Ein letztes Dankeschön galt allen Mitgliedern, Gästen und Besuchern, besonders auch den Frauen und Männern, die Kuchen gebacken haben. Herr Kalteis wünschte allen noch einen schönen Abend und eine gute Heimfahrt. Alle hofften mit ihm, sich beim nächsten Treffen wiederzusehen und applaudierten.

Heidenheim, den 06.09.2016


 

 

 

 

Kommentar(e) (0)
Schnellsuche:
 
Jugendstiftung Baden-Württemberg - Alle Rechte vorbehalten