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„13 Reasons Why“ Serienrezension

Die von Netflix produzierte Serie „13 Reasons Why – Tote Mädchen lügen nicht“ läuft seit 31.März 2017 auf Netflix und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jay Asher, der 2007 veröffentlicht wurde. Thema-Autorin Dominique Houtman hat den Roman gelesen und auch die Serie gesuchtet und rezensiert diese für hier euch.

 
 

„Nimm' dir was zu knabbern und mach's dir gemütlich denn ich werde dir jetzt die Geschichte meines Lebens erzählen. Genauer gesagt, warum mein Leben ein Ende fand. Und wenn du diese Kassetten hörst, dann bist du einer der Gründe dafür.“

Die High School Schülerin Hannah Baker hat sich vor zwei Wochen das Leben genommen. Doch zuvor nahm sie 13 Audiokassetten auf, in denen sie erzählte warum sie diesen Ausweg wählte – 13 Gründe für ihren Selbstmord, ausgelöst durch 13 Menschen in ihrem direkten Umfeld.
Nach ihrem Tod verschickte sie die Kassetten an alle Menschen, die zusammen schuld an ihrem Suizid sind, mit der Aufgabe diese nach dem Hören an die nächste Person weiter zu schicken. Die Kassetten gehen an zwölf ihrer Mitschüler und einen Lehrer der High School.

„Es gibt nur zwei Regeln und die sind ganz einfach. Nummer eins: du hörst zu. Und Nummer zwei: du schickst die Kassetten weiter.“

Clay Jensen, ein Freund und Arbeitskollege von Hannah, der in sie verliebt ist, findet den Karton mit Kassetten vor seiner Haustüre und begibt sich auf eine Entdeckungsreise über Hannahs Leben an der High School. Der brave Außenseiter möchte gerne mehr darüber erfahren wieso seine Auserwählte den Freitod gewählt hat, doch gleichzeitig hat er Angst davor, seine eigene Kassette anzuhören. Denn er ist sich, wie viele andere, nicht bewusst, etwas Böses angestellt zu haben.

„Sicher hattet ihr alle die ihr da zuhört keine Ahnung was ihr da anrichtet.“

Zentral ist hierbei die Geschichte um Clay, wie er sich die Kassetten über mehrere Tage verteilt anhört und so versucht Hannahs Tod zu verarbeiten und die Geschichte zusammen zu setzen um zu verstehen was passiert ist. Die Vergangenheit wird hierbei in Form von Flashbacks eingeschlossen.


Das Cover


Auf dem Seriencover sieht man Clay, der seine Kopfhörer trägt, mit denen er in der Serie immer die Kassetten anhört, und in einen Spiegel sieht. Sein Spiegelbild ist Hannah, die ihn mit ausdruckslosem Gesicht ansieht und wirkt als wäre sie weit weg von ihm. Sehr gelungen um die ganze Serie auf einen Punkt zu bringen, denn genau darum geht es. Hannah ist zwar weg aber gleichzeitig so präsent wie noch nie zuvor und kann trotz ihrer Abwesenheit Dinge verändern und so bewirken, dass die Menschen über ihre Taten nachdenken.


Inhalt


„Niemand von uns weiß genau, wie viel Einfluss wir auf das Leben der anderen haben. In der Regel gibt es keine konkreten Hinweise, und so machen wir einfach weiter, ohne unser Verhalten zu überdenken.“


Die Serie ist von der ersten bis zur letzten Minute spannend. Trotz der Tatsache, dass man das Ende von Anfang an schon kennt, fiebert man mit und hofft, dass sich doch noch alles zum Guten wenden wird. Trotz Fulltimejob habe ich es mir nicht nehmen lassen die Serie in fast einem Zug durchzusehen. Als sich die Serie langsam dem Ende zuneigt merkt man als Zuschauer, wie sich Vergangenheit und Jetzt langsam immer näher kommen und das setzt dem Spannungsbogen nochmal ein Spitzenhäubchen auf.


Umsetzung des Romans


Jede Episode behandelt das Thema einer Kassettenseite.
Während Clay im Hier und Jetzt meist im Fokus steht erlebt man Hannahs Erzählungen in Form von Flashbacks zu denen man ihre Stimme im Off erzählen hört. Das verwirrt den Zuschauer, da man sich nicht immer ganz sicher sein kann in welcher Zeit gerade was passiert. Hilfreich dabei ist natürlich das Auftreten von Hannah, sowie die Kopfwunde die Clays Stirn im Jetzt ziert. Der Roman ist insgesamt super umgesetzt und auch wenn man ihn gelesen hat, tut das der Spannung keinen Abschlag.

 


Die Hauptcharaktere

„Wir alle haben Hannah getötet.“


Clay Jensen


"Dass ich immer mehr zittere, liegt nicht nur an der kalten Luft. Mit jeder Kassettenseite, die ich mir anhöre, wird meine Erinnerung auf den Kopf gestellt, verändert sich mein Bild von Personen derart, dass ich sie nicht wieder erkenne."


Clay ist ein Außenseiter und als Zuschauer beginnt man schnell sich zu fragen, was er denn verbrochen haben könnte. Man merkt gleich zu Beginn, dass Clay bis über beide Ohren in Hannah verliebt ist, die ihn immer neckisch „Helmchen“ nennt. Denn er ist ganz besonders von ihren Geschichten mitgenommen und versucht hier und da auch andere Schuldige zu bestrafen. Er gibt der Serie Pepp und erhöht die Spannung enorm.

 

Hannah Baker


„Ich habe so viele Geschichten über mich gehört, dass ich gar nicht weiß welche die Beliebteste ist.“

Hannah wirkt im Roman, sowie auch in der Serie, wie eine taffe junge Frau. Doch hier und da merkt man, dass in ihr trotzdem noch der Teeny wohnt. Sie macht sich viele Gedanken darum, was die anderen Schüler von ihr denken und wie sie bei ihren Mitmenschen ankommt. Die Angst, jemandem nicht passen zu können ist eine Ursache, warum sie so sensibel auf die Attacken der Mitschüler reagiert und diese so persönlich nimmt. Im Laufe der Geschichte sendet Hannah immer wieder Botschaften, die Hinweise auf ihren bevorstehenden Suizid sind und von den Anderen aber meist nie ernst genug genommen werden, sondern als Ruf nach Aufmerksamkeit abgetan werden.
Bezüglich Hannah gab es bei mir einen Zwiespalt, einerseits hatte ich Mitleid mit ihr und andererseits kam sie mir vor wie ein Sensibelchen, das sich selber im Weg steht. Daher hat mich ganz besonders ihr Ende mich sehr berührt.

 

Hannahs Eltern


„Man fragt sich immer und immer wieder: Was ist bloß passiert?“


Was im Buch noch kaum thematisiert wurde wird in der Serie ganz besonders in den Fokus gestellt. Wie geht es den Eltern eines Mädchens, das sich selbst das Leben genommen hat? Genau, miserabel. Und das sieht man in der Serie. Die Verzweiflung, Trauer, Suche nach Antworten hat einen ganz eigenen roten Faden bekommen und ist ein wichtiger Bestandteil, der im Roman definitiv gefehlt hat.


Fazit


Die Serie ist von der ersten bis zur letzten Minute fesselnd. Der Spannungsbogen lässt kein einziges Mal nach und sobald ein Geheimnis aufgedeckt wurde tut sich direkt ein Neues auf.
Durch die authentischen Schauspieler kann man sich sehr gut in Hannahs Situation hineinversetzen und erlebt die Zeit an der High School durch ihre Augen. Man hofft, bangt, lacht und weiß trotzdem was für ein Ende die Geschichte nehmen wird.
Ganz besonders die letzten Szenen sind mir deutlich in Erinnerung geblieben und genau deshalb ist die Serie ein Muss für jeden, der sich auf das Thema einlassen kann und möchte.


„Tote Mädchen lügen nicht“ läuft zur Zeit auf Netflix.

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